Wir befinden uns mitten im Sommer, mitten in der Festival- und Open Air-Saison. Aber an diesem Dienstag Abend treibt es einige Menschen doch wieder ins Überdachte, in das äußerst sympathische Blue Shell in Köln. Das Blue Shell lebt vor allem von seiner Intimität und Exklusivität – denn hier passen nur circa 150 Leute rein.


Ein Artikel von Maren Schüller – Ja, vielleicht spielen hier nicht die weltbewegendsten Acts, aber wer an diesem Dienstag Abend erscheint, erlebt eine Premiere: die Noise-Rock/Post-Punk-Band Plague Vendor erweist uns zum ersten Mal die Ehre eine Show in Deutschland zu spielen. Klingt absurd, ist aber so: Auch nach drei Alben und einer soliden Zeit als Band haben sie uns noch nie besucht. Trotzdem ranken sich die Gerüchte um ihre Live Performances.

Bevor die Kalifornier aber zum ersten Mal zeigen, was sie drauf haben, wird der Raum mit energischem Deutschrock von Kicker Dibs gefüllt. Obwohl ihre Songs gut anzukommen scheinen, bleiben die Gäste lieber mit Sicherheitsabstand etwas weiter von der kleinen Bühne entfernt stehen und nicken mit.

Und dann. Vielleicht aus Zufall, vielleicht aber auch genau so getaktet, eröffnen Plague Vendor die Show erst, als es draußen wirklich komplett dunkel ist. Die Nacht mit ihnen ist angebrochen. Mit „New Comedown“ kommen sie nach der Reihenfolge der Instrumente im Song auf die Bühne und sobald Sänger Brandon Blaine loslegt, befindet sich der ganze Raum mitten im Plague Vendor-Tunnel.



Während die Band einfach wortlos abliefert, was einem seit Wochen nicht aus dem Kopf geht, von treibenden Drums bis hin zu herausfordernden Bassmelodien, schreit Blaine alles ins Mikrofon was geht – und klingt dabei manchmal fast schon nach Guns’n’Roses.

Fakt ist: Da steht einer, der für die Bühne geboren wurde. Der Sänger besitzt mehr Hüftschwung als alle im Raum zusammen und scheut sich nicht damit anzugeben. Verschwitzt und mit Kabeln um die Augen ist er spätestens bei „All Of The Above“ vollständig im rastlosen lyrischen Ich der Songs angekommen und lebt genau das aus, was man selbst so oft in sich fühlt, aber nicht rauslässt – kompromisslose Emotion.

Das Blue Shell ist zwar gerade mal zur Hälfte gefüllt, aber das interessiert hier niemanden mehr, denn für ihren ersten Gig in Deutschland haben Plague Vendor das Publikum innerhalb weniger Minuten schon überzeugt.

Die meisten Songs sind sehr schnell, rasen vorbei und entfachen ein Feuer im Raum. Manchmal verliert sich die Band aber auch in den verzerrten, hallenden Gitarren und bringt jeden Zipfel Schaurigkeit ans Licht. Was soll man sagen, es ist eigentlich total egal welche Songs sie spielen, weil die ganze Show ein einziger Abriss ist.

In diesen vielleicht neunzig Minuten haben Plague Vendor es definitiv geschafft, das Publikum in ihren Bann und auf ihre Seite zu ziehen. Als Blaine sich dankend verabschiedet: „Thank you so much for being here tonight, it means a lot to us, we never played in Paris before!“ und der Bassist ihm leicht genervt sagt: „Dude, we’re in COLOGNE!“ Ziemlich peinlich, aber das Publikum nimmt es ihm nicht übel. Eigentlich ist es egal. Eigentlich sind alle nur dankbar für diese verruchte Reise durch die Nacht mit Plague Vendor.



Autorin & Photocredit: Maren Schüller