Dortmund, Warsteiner Music Hall: Progressiver Gute Laune Pop verpackt in Indie-Gewändern der Neuzeit. ‚Von Wegen Lisbeth‘ sind das Schaf im Wolfspelz und transportieren ein lässiges Lebensgefühl kombiniert mit gesellschaftskritischen Lyrics. Ein Konzept das aufgeht und eine große Bandbreite anspricht.

Ein Artikel von Dominik Huttner – Ganz nonchalant an der Spree entlang flanieren, gedankenversunken an das gestrige Tinder-Date denken, doch dann ‚oh Schreck‘. Die Person unserer Erzählung wurde von einem E-Roller angefahren. Klingt abgefahren? Könnte aber aus einem VWL Song stammen.

Die Berliner Wahlformation setzt die deutsche Sprache gekonnt ein, erweckt die neue deutsche Welle zum wievielten Male zu neuem Leben und trifft damit so charmant den Zahn den Zeit, dass nachdenken nicht zur nervigen Pflicht, sondern zum gesellschaftsfähigen Massensport wird.

So singen die Lisbeths von neumodischen Abhörgeräten, von der großen Internetromanze, vom Lieblingsdiscounter, der Stammkeipe oder von irgendwas mit Delfinen und sind dabei so authentisch und raffiniert wie viele Bands des Genres es heutzutage gar nicht mehr versuchen zu sein.

Auf „los“ geht’s…los?!

Gleiches gilt übrigens für das Trio von Blond, welches den Abend in Dortmund eröffnete und mit deutschsprachigem Szene-Pop das Publikum als Warm-Up Act aufmischte. Mit ihrem selbstbetitelten Las-Vegas-Glamour reihen sich Blond thematisch ideal ins Set ein und spannen den Bogen für VWL. Da freut sich sicherlich auch Thorsten darüber, dass schon im nächsten Jahr das langerwartete Debüt „Martini Sprite“ erscheint.

Apropos Alben…Ein gutes halbes Jahr ist es jetzt her, dass mit sweetlilly93@hotmail.com das Album mit dem wohl längsten Titel des Jahres erschien. Das zweite Album, mit dem VWL sich selbst einen Gefallen getan haben, ein Album welches vor Musikalität nur so trieft und das so unfassbar clever und facettenreich produziert und getextet wurde, dass es nicht wundert weshalb diese Band auch nach über 10 Jahren noch so erfolgreich ist.

Songs zum Schnäppchenpreis, Serotonin gratis dazu!

Wie viel Spaß es ihnen immer noch macht durfte man eben auch beim aktuellen Tourstop feststellen. Da wird nicht bloß ein Programm abgespult, das in möglichst kurzer Zeit den größtmöglichen Effekt erzielt. Nein, das ist jeder Song seine 1,16€ wert und wird mit liebevoller Aufopferung bis in kleinste Detail performt. Da wird abgeliefert und angefangen. Da wird ein Potpourri an Instrumenten aufgefahren und die Saiten der Gitarre bis zum letzten bespielt, um auch die Fans in der hintersten Reihe zu erreichen. Ja, die Lisbeths sind nischig und bedienen nicht den krassesten Mainstream. Aber eben das macht sie so liebenswert und authentisch. Da steht ein bunter Haufen Freunde auf der Bühne und macht einfach ehrliche, gute Musik.

Dortmund konnte sich glücklich schätzen, die Lisbeths auf der aktuellen Tour in der Warsteiner Music Hall begrüßen zu dürfen, sind die Berliner doch bereits seit Wochen auf ausverkaufter Tour und reisen durch die Hallen des Landes. Von Kottiwood in den Ruhrpott, einmal quer durch die Welt. Britz California eben.


Quelle und Foto: Dominik Huttner