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Provinz & „Wir bauten uns Amerika“: Traum von der Ferne

Provinz & „Wir bauten uns Amerika“: Traum von der Ferne

Als Provinz war gut zwei Jahren anfingen, kleinere Support-Shows für damalige Newcomer zu spielen, dachte wahrscheinlich noch niemand daran, dass sich das Leben der vier binnen kürzester Zeit um 180 Grad verändern würde. Denn heute ist die Familienbande einer der gefragtesten Newcomer-Acts in Deutschland, die erste eigene Tour innerhalb weniger Tage ausverkauft. Provinz haben das geschafft, wovon viele Bands nur träumen: raus aus dem Schatten und rein ins Rampenlicht. Mit „Wir bauten uns Amerika“ folgt als logische Konsequenz nun des Debütalbum der sympatischen Deutschrocker.


Ein Artikel von Dominik Huttner – Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht! Und dieser ist witzigerweis fast zwei Jahre her. Am 22.04.2018 traf ich im Kölner Blue Shell das allererste Mal auf die Jungs von Provinz. Damals noch völlig unscheinbar, überraschte ich die vier bei einer Runde Tischfußball, während ich auf mein Interview mit dem Main-Act des Abends wartete. Provinz sollten an diesem Tag den Support für Scott Helman spielen. Ein aufstrebender junger Künstler aus Kanada, der vielversprechende Pop-Musik in die Domstadt mitbrachte. Dass der eigentliche Star an diesem Abend jedoch die Formation aus Ravensburg sein sollte, ahnte niemand.

Provinz überzeugten mich schon damals und holten mich von der ersten Sekunde ab. Noch Tage später habe ich mit meiner damiligen Begleitung, einem befreundeten Musiker, über den unfassbaren Auftritt gesprochen. Und auch in meinem Bericht aus 2018 beschrieb ich Provinz als „Große Empfehlung auf dem deutschen Markt.“ Manchmal täusche ich mich eben doch nicht…

Und nun, haben wir ein Debütalbum, das nicht weniger überraschend daherkommt, als der damilige erste Eindruck der Ravensburger. „Wir bauten uns Amerika“ ist all das, was Provinz mir innerhalb der letzten zwei Jahre versprochen haben. Ganz große Töne und unendlich viele Emotionen sind das, was den Indie-Rock der Newcomer so besonders macht. Und nicht zuletzt ist es auch die grandiose Reibeisenstimme von Frontmann Vincent, die dem ganzen diese ehrliche und verletzliche Note verleiht.

Elf starke Tracks hat das Quartett für ihr Debüt zusammengetragen. Elf Tracks, welche die Bandbreite und Diversität der Musiker wunderbar wiederspiegeln und uns als Zuhörer*in in den Bann ziehen. Denn schon mit dem grandiosen Opener „Mach Platz!“ wird klar, dass Provinz keine Eintagsfliegen sind und dieses Album der Anfang einer langen Reise sein wird. Was auf der Debüt-EP „Reicht dir das“ bereits in Kurzform klappte, ist nun noch ausgereifeter und geschliffener, ohne dass der Sound auch nur ansatzweise and Charme oder Authentizität verloren hat.

„Wir bauten uns Amerika“ ist eines der Album, das man von Anfang bis Ende hören kann, ohne dass Langeweile entsteht. Viele Alben haben heutzutage den Reiz verloren sie am Stück zu hören, weil jeder Song gleich klingt. Viel EDM, viel Autotune. All das haben Provinz nicht nötig. Auch mit den bisher veröffentlichten Single-Auskopplungen bewiesen sie ihre Vielfalt, die auch von den Fans geschätzt wird. Mit annährend 600.000 Hörern auf Spotify und ca. 7,5 Millionen Streams der erfolgreichsten Single, können Provinz mittlerweile gut im großen Teich mitmischen.

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Provinz beweisen wie schön die deutsche Sprache klingen kann und wie viel Potential das Genre neben langjährig erfolgreichen Bands und Künstler*innen wie AnnenMayKantereit und Philipp Poisel immer noch hat. Genau so habe ich die Musik nämlich damals eingeordnet. Als Mischung als AnnenMayKantereit und Philipp Poisel. („Kräftige, intensive und vor allem emotionale Popmusik, die ein bisschen an Philipp Poisel oder AnnenMayKantereit erinnerte, brachten die drei jungen Musiker mit.“) Dabei sind Provinz so viel mehr als eine Kopie und klingen mit jeder neuen Single noch einzigartiger und unverwechselbarer.


Autor: Dominik Huttner Foto: Max Menning

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