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Provinz wollen nicht in die „Großstadt“

Provinz wollen nicht in die „Großstadt“

Kürzlich veröffentlichten Provinz mit „Hymne gegen euch“ ihren ersten explizit politischen Song – nur einer von vielen Gründen, wieso die Ravensburger Band einmal mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit der deutschen Musiklandschaft hatte. Mit „Großstadt“ folgt nun der zweite Vorbote der kommenden EP „Zu spät um umzudrehen“ ­– und erneut überrascht die Band mit Mut zu Neuem, diesmal auf der klanglichen Ebene.

„Ich will nicht in die Großstadt. Ich hab‘ Angst mich zu verlieren. Wir sind die gleichen Jungs von damals. Lieber bleib ich ewig hier“!

Sequencer-Sounds, die leicht bedrohlich durch den Raum oszillieren – zu Beginn von „Großstadt“ wähnt man sich eher in einer neuen Folge von „Stranger Things“ als in einem Provinz-Song. Knapp daneben, erklärt Frontmann Vincent: er wurde von dem amerikanischen Spielfilm „Vielleicht lieber morgen“ (2012) zu dem Sound inspiriert: „Da kam in einer Szene ein Song und ich dachte: der kommt so gut, ich will einen ähnlichen machen.“ Als Erstes standen die Akkorde „und ich habe einfach gefreestylt und dann war auch direkt das Thema klar. Ich habe das in dem Moment so krass gefühlt, dass wir dachten: es muss irgendwie dringlich sein“.

Es geht, der Titel suggeriert es bereits, um die „Großstadt“, ein Thema, das Provinz nicht loslässt, schließlich tragen sie ihren Bandnamen nicht umsonst. Es ist der alte Konflikt zwischen Faszination und Abstoßung für fünf Jungs vom Land auf dem Sprung in die große weite Welt, der zuvor schon im Song „Neonlicht“ verhandelt wurde, doch die Geschichte ist noch nicht auserzählt. „Sag, was gibt es da, was wir hier noch nicht verstehen / Außer die Drogen, eure Partys und die schlechte Musik“, begehrt Vincent auf, der natürlich selbst am besten weiß, dass gerade darin der Reiz liegt. Doch noch schlagen zwei Herzen in seiner Brust, noch ist er nicht bereit, sich emotional von seinen Wurzeln loszusagen: „Ich will nicht in die Großstadt / Ich hab Angst mich zu verlieren / Wir sind die gleichen Jungs von damals / Lieber bleib ich ewig hier“, singt er trotzig.

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Man darf gespannt sein, wie die Geschichte für Vincent und seine Jungs weitergeht. Sorge, dass der Bandname eine selbsterfüllende Prophezeiung ist und sich Provinz irgendwann thematisch wiederholen, muss man dabei nicht haben. Denn erstens deckt die Band mit ihren Songs ein breites Coming-of-Age-Spektrum ab, zweitens, so Vincent, „kommt es nicht wirklich darauf an, welches Thema man wählt, sondern wie man es verpackt. Sonst würde man ja auch keine zwei Liebeslieder schreiben“.

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