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PROVINZ wollten eigentlich kein „Chaos“

PROVINZ wollten eigentlich kein „Chaos“

Das offizielle Musikvideo zu „Chaos“ lässt einen kurzen Blick zu in eine stereotype Welt der High-Society. Mittendrin: die Mitglieder von Provinz als Söhne aus gutem Hause. „Wir wollten das Thema im Video zu `Chaos´ ironisch und überzogen darstellen. Deshalb der Kontext des reichen Golfers, der nicht zu uns passt“, so die Band zu dem Clip, der passend zum Songtitel im Chaos endet.

„Alles war angerichtet für den sehr großen Wurf“, schilderte die Süddeutsche Zeitung vor einigen Wochen mit Blick auf den großen Rummel um Provinz vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums. Ausverkaufte und hochverlegte Touren, Auftritte in begehrten TV-Formaten wie „Inas Nacht“ (ARD), „aspekte“ (ZDF) oder „Late Night Berlin“ (ProSieben), Vergleiche mit AnnenMayKantereit oder Faber – in nur einem Jahr mauserten sich die Newcomer aus Ravensburg zur neuen deutschen Musikhoffnung. Provinz hatten ein riesiges Momentum, fehlte nur noch das Debütalbum „Wir bauten uns Amerika“. Stattdessen kam: der Lockdown. „Tötet der Stillstand also den Hype?“, fragt die Süddeutsche im selben Artikel.

Inzwischen wissen wir: mitnichten. Im Juli eroberten Provinz mit ihrem Debütalbum „Wir bauten uns Amerika“ Platz 4 der deutschen Charts – ein herausragender Erfolg für ein Album, an dem alles stimmt, von der mitreißend handgemachten Folk-Pop-Instrumentierung über die Stimme von Frontmann Vincent, der sich mit jeder Faser seines Körpers in seinen frenetischen Stream-of-Conscious-Gesang hineinlegt, bis hin zu den Lyrics, die wahrhaftige Geschichten zwischen der ersten großen Liebe und dem letzten großen Absturz erzählen. In „Chaos“ beispielsweise, nach „Augen sind rot”, „Wenn die Party vorbei ist”, „Nur Freunde”, „Verlier Dich”, „Diego Maradona” und „Tanz für mich” die letzte Single-Auskopplung vom Album.

„Wollte kein Chaos, ich wollte dich“, wundert sich Vincent darin, wie aus seiner Beziehung ein derartiger Scherbenhaufen werden konnte.  Wo einst Feuer war, ist nur noch Glut und selbst die ist kurz vor dem Verglimmen: „Zieh ein letztes Mal und dann drück mich aus“, fordert er seine Freundin auf, unfähig, selbst den Schritt zu tun: „Jetzt will ich gehen, doch ich schaff’ es nicht“. Gefangen zwischen Gewohnheit und gähnender Leere, irrlichtert Vincent in der Beziehung umher, „Reiß mich los, will nicht wieder zurück, nur wissen wo du heut’ Nacht bist“. Er sehnt sich nach Einsamkeit, zugleich ist da die Angst vor dem Danach: „Es geht mir gut alleine, geh, aber bitte ersetz mich nicht“.

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„Chaos“ ist der einzige Song des Albums, den die Band nicht vorab schrieb, bevor sie ihm im Studio mit Produzent Tim Tautorat (u.a. AnnenMayKantereit, Faber, Jeremias) dem Feinschliff verpasste. „Der Song wurde unter anderem daher erst skeptisch gesehen und später mit großen Enthusiasmus gefeiert“, wie die Band kommentiert. Zum Inhalt sagen sie: „’Chaos’ handelt von einer sich dem Ende neigenden Liebesbeziehung. Nähe und Distanz führen zu Reibungen und Chaos. Die anfängliche Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit vergeht und lassen Gefühle kälter und einseitiger werden.“

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