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QUEBEC THIS #1 – Neue Musik aus Montreal und Umgebung

QUEBEC THIS #1 – Neue Musik aus Montreal und Umgebung

Es gibt wohl kaum ein Land auf der Welt, das gerade ähnlich cool wahrgenommen wird wie Kanada. Es ist Projektionsfläche und Sehnsuchtsort vieler liberaler AmerikanerInnen und auf der ganzen Welt ein beliebtes Reiseziel für junge Menschen, die schroffe, einsame Natur und vor Kultur vibrierende Städte gleichzeitig erleben wollen. Und auch die Musikwelt hierzulande weiß: In Kanada geht in der Hinsicht einiges! Was ja eigentlich erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass es in einem großen Teil des Landes durchaus passieren kann, von einem Bären in freier Wildbahn attackiert zu werden. Aber Kanada hat in den letzten Jahren zahlreiche spannende Acts hervorgebracht – und damit sind wir schon bei unserem Anliegen und dieser Compilation.

Die führt uns nämlich in die überwiegend französischsprachige Provinz Québec im Osten Kanadas, deren größte Stadt Montreal ist. Von hier startete in den Nullerjahren eine Garde an KünstlerInnen, die bis heute die Musikwelt aufmischen: Seien es Arcade Fire und ihre zahlreichen Nebenbaustellen, sei es Chilly Gonzales, der dort Jazz-Piano studierte, sei es Grimes, die für ihre Power-Songs gefeiert wird oder aber Bran Van 3000, die zwar auf ihrer Hitsingle 1997 das „Drinking in L.A.“ zelebrierten, aber eben auch aus Montreal stammen. Auch die Jazz-Szene Montreals ist weltbekannt, was natürlich am größten Jazz Festival der Welt liegt – dem Festival International de Jazz de Montréal – aber auch an Jazz-Legenden wie dem 2007 verstorbenen Pianisten Oscar Peterson.

Wir möchten euch in den nächsten Wochen ein wenig nahebringen, was aktuell in der Region und ihren Metropolen Montreal und Québec musikalisch so geht. Da wäre zum Beispiel Rap-Newcomerin Emma Beko, die auf „MHS“ ihren smoothen Flow beweist. Oder die Band Rosier, die verträumten Indiepop zelebiert, mal auf Englisch mal auf Französisch gesungen. Die in Dschibuti aufgewachsene Shay Lia zählt ebenfalls zu den spannendsten Stimmen zwischen Rap und R’n’B – viele kennen sie wohl vom Kaytranada-Track „Leave Me Alone“, aber ihr Solotrack „Irrational“ steht dem in nichts nach. Noch diverser wird es bei Kletzory, die man nun wirklich beim ersten Hören nicht in Kanada verorten würde. Viel Spaß mit diesen und den anderen Songs!

Die Compilation findet ihr auch auf SpotifyYouTube und Apple Music.

Emma Beko – MHS

Emma Beko mischt nostalgisches Songwriting mit apokalyptischen Klängen, um ihre ganz eigene grungige und sensible Version von Hip-Hop zu kreieren. Emma Beko, halb Peruanerin, halb Kanadierin, wurde in Budapest geboren, wuchs in Montreal auf und verbrachte ihre letzten Jahre der High School in New York. Genau hier, beim Eintauchen in die pulsierende Rap-Kultur New Yorks, erblühte ihre Liebe zum Hip-Hop. Den Einfluss hört man auch auf Bekos Ende Januar erschienenen Debütalbum „BLUE“, aus dem wir euch hier „MHS“ präsentieren.

Rosier – Pontoise

Rosier erforscht traditionelle Québécois Volksmusik mit einem Hauch von Indie-Pop. Die Originalkompositionen, raffinierten Arrangements und neu erfundenen Traditionen der Band aus Montreal entführen uns in ein romantisches und träumerisches Universum. Die Musiktraditionen von Quebec werden hier durch eine moderne Linse und mit einem vielschichtigen, zeitlosen Sound neu interpretiert. Wir präsentieren euch hier „Pontoise“ aus Rosiers neustem Album, das von wunderschönen Lead Vocals getragen wird.

Beyries – Over Me

Aufgewachsen in Montreal, schrieb BEYRIES immer wieder Songs – behielt sie allerdings für sich, aus Angst, die einfache Freude am Schreiben und Spielen zu verlieren. Schließlich veröffentlichte sie ein Debütalbum, was dank ihres melodischen Songwritings durch die Decke ging – 11k verkaufte Alben und 15m Plays auf allen Plattformen. Sie spielte über 150 Konzerte auf der ganzen Welt, unter anderem in Istanbul, London, Paris und Los Angeles. Ihre innige, raffinierte Musik wird sich mit „Encounter“, ihrem neuesten Album, weiterentwickeln. Wir präsentieren euch hieraus die energiegeladene Single „Over Me“.

Shay Lia – Irrational

Die unabhängige Künstlerin mischt Genres und erzählt gefühlvolle Geschichten über Selbstfindung. Nach ihrer gefeierten Debüt-EP „Dangerous“ im Jahr 2019 hat Shay Lia einen festen Platz unter ihren internationalen ZeitgenossInnen eingenommen. Jetzt will Shay Lia zeigen, wie vielseitig sie ist und verlagert ihren künstlerischen Output, indem sie zu ihren Wurzeln zurückkehrt und mit ihrem neuen Album „Solaris“ eine afro-inspirierte Richtung erkundet. Wir präsentieren euch hieraus den Banger „Irrational“ – unverwechselbares 00er Jahre Sample inklusive.

The Brooks – Gameplay (Radio Edit)

Manchmal muss man die kältesten Länder erkunden, um die glühendsten Klänge zu entdecken! Dank ihrer cleveren Mischung aus Soul und Funk verwischen The Brooks die geografischen Grenzen. Von der Quebecer Zeitung La Presse als „bestgehütetes Geheimnis des kanadischen Funk“ bezeichnet, sind The Brooks eine Band aus versierten MusikerInnen, die in der Soul/Funk-Szene jenseits des Atlantiks bekannt sind. Wir schicken euch hier „Gameplay“ im Radio Edit.

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Helena Deland – Truth Nugget

Helena Deland ist schon lange eine wichtige Stimme der kanadischen Indie-Szene. 2016 erschien ihre erste EP „Drawing Room“, 2018 folgte eine vierteilige EP-Reihe mit dem Titel “Altogether Unaccompanied” und eine lange Live-Periode, in der sie u.a. mit Weyes Blood und Connan Mockasin tourte, für Iggy Pop in Paris eröffnete und mit JPEGMAFIA zusammenarbeitete. 2020 erschien dann ihr erstes Full Length Album „Someone New“ – eine Erkundung von Geschlecht, Macht, Zeit und dem Selbst. Wir präsentieren euch hier “Truth Nugget” – eine träumerische Nummer irgendwo zwischen hypnotisierendem Pop und klassischem Folk.

Djely Tapa – Biriko Spirit

Djely Tapa ist eine malisch-kanadische Sängerin. Ihr Debütalbum „Barokan“ gewann bei dem wichtigsten kanadischen Musikpreis Juno Awards den Preis für das “World Music Album of the Year 2020”. Sie stammt aus einer Reihe berühmter malischer Griots (in Teilen Westafrikas berufsmäßige SängerInnen, DichterInnen und InstrumentalistInnen) und beleuchtet die kanadische Musikszene mit einem herausragenden Repertoire, das sich von sahelianischen Ambientes bis hin zu Blues und Elektromusik erstreckt. Ihre Musik schöpft aus der Griot-Tradition der westafrikanischen Musik und Literatur, so auch der Song „Biriko Spirit“ aus ihrem Debütalbum, den wir euch hier präsentieren

Kleztory – Liteul Biteul

Kleztory ist ein aus Montreal stammendes Klezmer- und Outernational-Ensemble welches seit dem Jahr 2000 aktiv ist. Respektvoll kombinieren sie die das reiche Erbe des Klezmer-Genres mit modernen Arrangements. Ihre Musik bekommt so eine ganz eigene Note, die oft von Jazz, Klassik, Country, Folk oder Blues inspiriert ist. Viele Preise konnte die Band seit Beginn ihres Bestehens einheimsen. Durch ihre vielen Live-Auftritte haben sie sich in den letzten zwei Jahrzehnten auch in der europäischen Szene einen Namen gemacht. Wir präsentieren euch hier „Liteul Biteul“ aus Kleztorys aktuellem Album „Momentum“.

Pierre Kwenders, Clément Bazin – Ego

Pierre Kwenders sprengt mit seinem erfinderischen Indie-Afro-Electro-Sound fließend die Grenzen von Genre, Land und Kultur, indem er westliche und afrikanische Stile zu warmen Vibes mit leidenschaftlichem Gesang verschmilzt. Geboren in Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) als José Louis Modabi, singt und rappt Pierre Kwenders (der Name seines Großvaters, den er gewählt hat, um sein Erbe zu bewahren) in Lingala, Französisch, Englisch, Tshiluba und Kikongo, wobei er die lyrischen und ästhetischen Besonderheiten dieser Sprachen für eine maximale emotionale Resonanz nutzt. Wir präsentieren euch hier „Ego“ – der Song entstand in Zusammenarbeit mit Clémentin Bazin, der für seine Steeldrum-Elektro-Kompositionen bekannt ist.

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