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Razorlight & „Olympus Sleeping“: Die Verjüngungskur

Razorlight & „Olympus Sleeping“: Die Verjüngungskur

Es ist 2008 und ich bin 14 Jahre alt, als Johnny Borrell für 3:11 Minuten brennende Streichhölzer in die Kamera hält und dabei „Wire To Wire“, den weltweit erfolgreichsten Song seiner Band Razorlight und damit auch einen meiner zeitlosen Lieblingslieder singt. In den folgenden Jahren wird es ruhig um die Band, 2014 spielen sie eine handvoll Festivals, beinahe geraten sie in Vergessenheit. Das ändert sich Ende August diesen Jahres schlagartig.


Ein Artikel von Anna Fliege – in den vergangenen 10 Jahren stellte ich mir häufiger die Frage, was wohl Razorlight gerade tun. „Pause auf unbestimmte Zeit“ lautete die Antwort. Als Johnny Borell, Sänger und Aushängeschild der Band, im Mai seinen neuen Solosong promotete, ließ er außerdem durchsickern, dass noch im laufenden Jahr ein neues Razorlight-Album auf den Markt kommen würde. Und heute ist dieser Tag, heute erscheint „Olympus Sleeping“ nach 10 Jahren plattentechnischer Funkstille.

Nun, als Fan freut man sich erst einmal über die frohe Kunde, doch schon bald beschleichen einen Zweifel. Wie soll Razorlight nach einer so langen Pause klingen? Haben sie ihre musikalischen Ideen 10 Jahre lang eingefroren und nun wieder aufgetaut? Immerhin hat sich in dieser Zeitspanne einiges auf dem Musikmarkt getan, Indierock ist nicht mehr das Nonplusultra, Gitarren wurden durch Beatbasteleien ersetzt und sowieso hört doch gerade jeder Rap und R&B und schließlich sind auch die Köpfe hinter der Band wie wir alle 10 Jahre älter geworden. Und so nehmen die Sorgen Form an, ist es eine 50:50-Chance, dass die Band entweder verstaubt oder nicht mehr wiedererkennbar klingt?

Wir atmen jetzt alle einmal tief ein und aus und lehnen uns zurück, vergessen diese Sorgen. Denn auf wundersame Weise klingt „Olympus Sleeping“ frisch und Razorlight frischer als je zuvor. Als wären sie in den Jungbrunnen gefallen und rechtzeitig wieder rausgeklettert. Dem Indie sind sie treu geblieben und lassen das Genre in all seinen Farben scheinen. Ein fröhliches Album, mit dem man sicherlich nicht gerechnet hätte. Ob dort nun ein würdiger Nachfolger der Welthits „America“ und „Wire to Wire“ zu finden ist, ist sicherlich streitbar. Aber darauf liegt der Fokus des neuen Longplayers auch gar nicht.

Besonders die neuste Singleauskopplung „Carry Yourself“ hat im Handumdrehen mein Herz erobert. Treibende Drum- und Basselemente, eine Two Door Cinema Club-esque E-Gitarre, die gemeinsam mit den Synthies über die grundlegenden Beats tänzt und Johnnys Stimme, die wir viel zu lange nicht gehört haben. Heraus kommt ein Song, der es so schnell wie möglich in die Playlists der Indie-Klubs schaffen sollte. Und wenn ihr schon dabei seid, nehmt „Japanrock“ gleich mit.

Und der rote Faden? Nun es so, dass die Band sich dem Genre treu bleibt, sich innerhalb dessen aber gerne austobt. Bei jedem Song könnte der passionierte Indiehead nun leicht Referenzen nennen, ich selbst habe es im letzten Abschnitt getan. Das ist grundsätzlich nicht negativ und sogar schön, nur manchmal auf der Länge der 13 Songs etwas überraschend.

Davon abgesehen ist „Olympus Sleeping“ ein würdiges Comeback einer Band, von der man in unseren Gefilden viel zu wenig weiß, viel zu wenig kennt. Schön, dass ihr wieder da seid, Razorlight. Bleibt doch gern ein bisschen länger und schaut doch im nächsten Festivalsommer bitte auch bei uns vorbei!

See Also


RAZORLIGHT live

06.Februar 2019: Berlin – Heimathafen
11.Februar 2019: München – Freiheiz
12.Februar 2019: Köln – Kantine
13.Februar 2019: Hamburg – Grünspan



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Andy Hughes

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