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RIIVA & „Bold Femininity“: Zuflucht, Verständnis und Mut

RIIVA & „Bold Femininity“: Zuflucht, Verständnis und Mut

RIIVA macht Nägel mit Köpfen und veröffentlicht nur sieben Monate nach ihrer Debütsingle ihre erste EP. „Bold Femininity“ – da ist genau das drin, was draufsteht.

Kennen wir das nicht alle? Man lernt einen netten Mann kennen und ehe man sich versieht, werden wir plötzlich zu Therapeutinnen, Ersatzmütter, Bettgefährtin und sind am Ende doch nur gut genug, wenn dem Gegenüber gerade danach ist. Man gibt und gibt und gibt und zurück kommt dann nur ein Schulterzucken. Und haben wir uns nicht geschworen, nie wieder darauf reinzufallen?

RIIVA fühlt das. Und stärkt dir und mir den Rücken.

Mittelalte, männliche Journalisten würden RIIVA vermutlich als „die selbstbestimmte Frau des 21. Jahrhunderts“ betiteln und ach, sie werden es in diesem Leben wohl nicht mehr verstehen. Sie ist eine junge Frau, die niemals einen Mann um Erlaubnis, Validierung oder Zuspruch bitten musste (da sind wir jetzt ein paar Jahrzehnte drüber hinweg). Und eine, die sich von den gesellschaftlichen Erwartungen (die vor ein paar Jahrzehnten hängen geblieben sind) freikämpfen kann.

Für RIIVA war schon immer klar, dass sie sich der Musik hingeben will. Die stundenlang einstudierten Choreografien im elterlichen Garten, das euphorische Blättern in CD-Booklets, schon bald die Sehnsucht danach, eigene Musik zu erschaffen. Es folgt die Ausbildung zur Gesangslehrerin, das Studium zur Songwriterin, das Teilsein von #zweiraumsilke – und dann schließlich, im Januar 2020, ihre erste Solosingle „So Shady„.

In den kommenden Monaten folgt das bildgewaltigte „Wall of Water„, meinen Lieblingssong „Painkiller“ (da steht man plötzlich vor dem Spiegel und wippt den ausgestreckten Zeigefinger nach links und rechts, „I’m not paaaaainkiller„) und den wichtigen Track „I’m Sorry„, der sich von dem Scham distanziert, den man spürt, wenn man als Frau (wieder einmal) sexuell belästigt wurde. Es liegt nicht im kurzen Rock oder am weiten Ausschnitt – es liegt an den Arschlöchern da draußen.

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Auf „Bold Femininity“ ergänzt RIIVA ihr Repertoire um den wahnsinnig geil produzierten Track „Boring Boys„, Opener „Soliloquy Pt.1“ und dem abschließenden Titeltrack, bei dem man laut „YAAAS GIRL“ rufen will.

Der Sound der EP klingt nach den Heldinnen unserer Kindheit. Doch ebenso wie nostalgisch, klingt „Bold Femininity“ nach gegenwärtigen Größen a lá Banks, Sevdaliza, H.E.R. und hin und wieder auch ein bisschen wie Ariana Grande. Schwere R’n’B-Beats zu poppigen Refrains, geborene Ohrwürmer. Extrem sexy, aber nicht, um dem anderen Geschlecht zu gefallen, sondern weil Frauen sich auch einfach selbst feiern dürfen. Gar nicht so schwer zu verstehen, oder?

RIIVA skizziert auf „Bold Femininity“, wohin ihre Reise in der Zukunft gehen wird. Starke R’n’B-Vibes mit Pop-Einschlägen und einer (feministischen) Attitüde, in der man Zuflucht, Verständnis und Mut findet.

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