Wenn etwas gut läuft, gewöhnt man sich an die Muster, wiederholt sie, ruht sich auf ihnen aus. In der Musikwelt erhalten Bands und ihre Studioalben damit schnell eine Färbung mit Wiedererkennungscharakter, in Rezensionen steht schnell etwas wie „der typische xy-Sound„. Davon hatten Slaves nun die Schnauze voll – zumindest ein bisschen.

Slaves, das sind Isaac (26) und Laurie (24) aus dem südenglischen Kent. Sie erinnern mit ihrer Musik an die guten alten Sex Pistols– und The Clash-Zeiten und bringen zu zweit eine Energie auf die Bühne, die viele vielköpfige Bands nicht zusammentragen und ausstrahlen können. Mit ihrem dritten Album „Acts Of Fear And Love“ brechen sie jetzt ihre eigenen Muster auf.

Diese Aufbrechung ist bereits spürbar, wenn man die neue Platte nur in den Händen hält. Gerade einmal 9 Songs auf 30 Minuten fasst sie, ganz getreu dem Motto „Qualität statt Quantität„. Zum ersten Mal zeigen sich Laurie und Isaac selbst auf ihrem Cover – wer also keine Vorstellung hatte, wie Slaves aussehen: so. Gaststar ist Lauries kleiner Sohn Bart, der dieses direkte, intime Gefühl abrundet.

„You’re looking unwell put your feet up“

Aber don’t judge it by its cover. Opener „The Live They Wished They Had“ bringt den Hörer genau dahin, wo er sein sollte. Der taktvolle Mitgröhlsong erinnert an ihren Debüt-Hit „Cheer Up London“ und ist entgegen meiner einleitenden Worte eben dieser typische Slaves-Sound. Er endet mit „Slaves„-Rufen und wer sich bis jetzt noch nicht sicher war, wo er sich befindet oder sich schon schwindelig gepogt hat (der Song ist einfach zu einladend dazu), erhält eine Erinnerung.

Dass die testosterongeladenen, lauten Briten einen weichen, sanften Kern innehaben, präsentieren sie mit „Daddy„. Man verzichtet auf die prägnanten Drums, wird dafür im Gitarrenspektrum melodischer, Isaacs Stimme erinnert in ihrer ungewohnt ruhig Art an alte Pete Doherty-Songs. Überraschend und überraschend gut.

Aus der Reihe tanzt, im wahrsten Sinne des Wortes, auch „Cut And Run„. Der schmissige Song ist so tanzbar, dass Slaves im dazugehörigen Video glatt eine eigene Choreo erfunden haben. Damit nehmen sie die Leute, die sonst im Moshpit umherspringen, an die Hand und zeigen humorvoll & sympathisch, wie man zu ihrer Single tanzen kann.

Acts Of Fear And Love“ ist persönlich, trotzdem brachial, wütend und rotzig, so wie man es von Slaves eben kennt. Der moderne Twist der britischen Punk-Attitüde macht Spaß! Muster aufbrechen, neue Elemente einfügen, Erwartungen umgehen, um zu überzeugen. Slaves ist mit „Acts Of Fear And Love“ der Sprung aus der eigenen Schublade geglückt, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Punk’s not dead! 



SLAVES live

21.10.18: Berlin, Lido
22.10.18: Hamburg, Knust
25.10.18: München, Strom
04.11.18: Köln, Luxor


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Universal Music