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SLUT kündigen mit „Talks Of Paradise“ ihr neues Album an

SLUT kündigen mit „Talks Of Paradise“ ihr neues Album an

Slut kündigen mit der neuen Single „Belly Call“ ihr inzwischen neuntes Studioalbum „Talks Of Paradise“ für den 18. Juni 2021 an.

„Belly Call“ führt weiter, was die Single „For The Soul There Is No Hospital“ in 2020 bereits angedeutet hat:
Slut – inzwischen zum Quartett geschrumpft – brechen mit Gewohnheiten. Gitarrenwände werden ersetzt und Klanggewitter neu gedacht. Worte, Sätze und Inhalte kreisen sich um Eingebungen. Keine Geschichten sondern Stimmungen. „Belly Call“ – der Bauch meldet sich zu Wort, der vergebliche Versuch einer Kategorisierung wird beschrieben.
Sänger Chris beschreibt den Song so: „Der Drang, Menschen oder Situationen permanent einzuordnen, vermittelt uns einerseits ein Gefühl von Sicherheit, sorgt aber gleichzeitig für den nötigen Überblick und ein Grundmaß an Kontrolle. Mit jeder Schublade, die wir aufziehen, denken wir in Kategorien, urteilen vorschnell und grenzen uns dadurch ab, obwohl wir eigentlich nicht getrennt sind. Dann sehen wir die Dinge wie sie sein sollen, nicht wie sie tatsächlich sind. Dabei ist die Welt zu groß für unsere Archive, der Bauch meist intelligenter als unser Verstand und Schuld nur eine Spielart unserer Angst. Bigger than we are.“
Wer ausgetretene Pfade meidet, wird überrascht – auf ihrem neunten Album präsentieren Slut sich in einem ungewohnten und neuen Soundgewand. Damit ist ihnen etwas bemerkenswertes gelungen: Eine etablierte Band aus Leuten und Freunden, die sich schon sehr lange kennen, hat sich entschieden etwas wirklich Neues zu wagen. Und das auf der gesamten Strecke.
Dass dieses neunte Album von Slut anders klingt als seine Vorgänger, hat viel mit seiner besonderen Entstehungsgeschichte zu tun. Nachdem die Konzertreihe zum Album „Alienation“ im Sommer 2014 beendet war, konnte und wollte die Band nicht nahtlos so weitermachen. Zum ersten Mal in der langen gemeinsamen Geschichte gab es einen echten „Break“, und das ganz ohne Streit oder die üblichen Gründe, die für sowas in Frage kommen. „Es gab erstmals keine Vereinbarung, ob es weitergeht“, sagt Sänger Chris Neuburger. Keiner schrieb Songs, keiner dachte an Aufnahmen oder Konzerte. Bis 2017 Rainer Schaller bei Chris Neuburger anrief: „Wir haben uns lange nicht gesehen.“ Die beiden trafen sich an einem Winterabend in Ingolstadt, gingen aus und sprachen darüber, gemeinsam Musik zu machen.
„Als nächstes kamen per Mail zwei Flugtickets nach Athen“, erinnert sich Chris. Gitarrist bzw. Keyboarder und Sänger verbringen eine Woche in einer leerstehenden Wohnung. Eine Woche lang schreiben sie, machen, abgesehen von kurzen Spaziergängen, nichts als Musik, nehmen Skizzen zu fünf Liedern auf. Und die klingen erfreulich neu. Das mag am abgespeckten Instrumentarium liegen: Eine Gitarre, ein Keyboard, ein Bass, ein Mikrofon, der Laptop – mehr hätte nicht ins Handgepäck gepasst. Es hat aber auch mit den Umständen zu tun: Sie fangen bei Null an, ohne Vorbereitung. Die Texte von Chris entstehen im Moment des Musizierens, also situativ. Genauer: „Was ich in diesem Augenblick gehört habe.“

Gemeinsam mit dem Produzenten Fabian Isaak Langer haben Slut diese Skizzen zu einem gemeinsamen Klangbild zusammengefügt. Den hymnischen Indie-Sound ihrer früheren Alben gibt es immer noch. Aber auch analoge elektronische Töne, eine tiefe Transparenz und einige beinahe minimalistische Skizzen. Und es ging auch nicht darum, zwanghaft etwas Neues zu versuchen. Oder um den Zweikampf Synthie vs. Gitarre. Vielmehr um das Abschalten von Automatismen. Um eine Suche nach dem Momentum. Auch wenn dabei anfangs ein Mosaik aus vermeintlich widersprüchlichen Eindrücken entsteht.

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