Musik, die bodenständig und doch leichtfüßig ist, weil sie uns tanzen lässt. Mal eng umschlungen, mal fröhlich umherspringend. Für sternenklare Nächte und die Sonnenaufgänge danach. Genauso klingt „Burn Right Trough“, die dritte EP der Indie-Folk-Band Sons Of The East. 

Ein Artikel von Anna Fliege – Jeder Song erzählt eine Geschichte. Er hat Protagonisten, eine Szenerie und ein Gefühl, das ihn umgibt, ihn formt und vollendet. Vielleicht entspringt diese Vorstellung dem Wunsch, mein ganzes Leben mit einem Soundtrack zu untermalen. Mit ihrer EP „Burn Right Trough“ veröffentlicht die australische Folk-Band Sons Of The East sechs Titel, die ihre ganz eigene Story innehaben.

Denn wenn man während „Burn Right Trough“ die Augen schließt, träumt man sich innerhalb von wenigen Sekunden weg, weit weit weg. Vielleicht dorthin, wo das Trio herkommt? Auch, wenn ihre Musik ohne Probleme in die Berge Kanadas passen würde, stammen Dan Wallage, Nic Johnston und Jack Rollins aus Australien, genauer gesagt Sydney.

Opener „Nothing Comes Easy“ ist wie ein lauer Abend am Strand, einen sternenklaren Himmel über den Köpfen, ein angenehm knisterndes Lagerfeuer vor der Nase. Ein Song, der sich wie eine wohlige, lange Umarmung anfühlt. Dem man den Kopf auf die Schulter legen möchte, um dabei der simplen, doch wichtigen Message zuzuhören: „Nothing comes easy, no nothing at all. But if we believe it, we’re a hundred foot tall„. Und mit etwas Phantasie hört man vielleicht sogar das Meeresrauschen.



Silver Lining“ beginnt mit einem Engtanz. Begleitet wird dieser von einer Gänsehaut, die Jacks raue Stimme verursacht. Im Laufe des Liedes entfaltet der Song schließlich die ganze Schönheit der Folkmusik. Angenehm frisch, wie klassisch sich der Song in seinem Genre aufhält. Etwas, das man heute nur noch selten zu hören bekommt. Die harmonischen Gitarren, die zurückhaltenden Bläser und das taktvolle Klavier. Aus dem Engtanz wird irgendwann ein gemeinsames in den Armen liegen, ein zu lautes „Silver Lining must be hiding out there on a better day-Mitsingen. Mit warmem Sand unter den Füßen und einem kühlen Bier in der Hand.

Ganz warm und ruhig hingegen ist „It Must Be Luck„. Hier hört man jede angeschlagene Seite der Akustikgitarre, die von mehrstimmigen Gesang und sanften Streichern untermalt wird. Akzentuierte Tastenanschläge bringen weitere Emotion in das Songgebilde. Die Inspiration für den Gesangspart haben sie allerdings nicht aus dem Folk, sondern aus den Wurzeln des Souls: „Musically it started with the picking pattern on the guitar. We sing it in two and three part harmony the whole way like an old Sam Cooke song„.



Mehrstimmig geht es auch bei „Whiskey and Wine“ weiter, hier liegt der Fokus für das Stilmittel allerdings hauptsächlich auf den Refrains. Der vielleicht klassischste Folk-Song, der auf „Burn Right Trough“ zu finden ist. Bei den tiefen Gitarrenakkorden kann man nicht anders, als mitzuwippen. Der perfekte Soundtrack, um nach einer durchtanzten Nacht den atemberaubenden Sonnenaufgang zu betrachten, oder?

Das Wort Lieblingslied fällt im Falle dieser EP bei Song Nummer 5, der sich „Keep Running“ nennt. Schon die ersten Takte bringen Füße und Herz zum Tanzen, das Gesicht verwandelt sich unabhängig von der vorangegangenen Laune in ein strahlendes Lächeln. „Keep Running“ möchte man an einem warmen Tag bei offenem Beifahrerfenster hören, während einem die Haare ungeniert durch die Gegend fliegen. Die Instrumentalvielfalt, die mal mehr im Vordergrund, mal sanft im Hintergrund erkennbar ist, gibt dem Song Tiefe und Besonderheit. Könnt ihr alle Instrumente identifizieren?

Titeltrack „Burn Right Trough“ schließt die EP schließlich ab und macht sie rund. Ein ruhiger Akustik-Song, der nach dem vorherigen Tanz-Track genau das Richtige ist. Die gewisse Rohheit tut im Wirbel der überproduzierten Musik, mit der wir tagtäglich beschallt werden, richtig gut. Und die Mundharmonika in der Mitte, die klingt nach Nostalgie und gutem alten Amerikana. Hach, schön.

Beim Wort „Folk“ schlägt mein Herz höher, zumindest einen Moment lang. Denn Musik des Genres braucht irgendwie das gewisse Etwas, um mich in seinen Bann zu ziehen – das passiert nur selten. Sons Of The East schaffen das mit ihrer neuen EP erschreckend einfach. Selbst, wenn mir die prägnanten Banjo-Parts, die ihre letzte EP „Already Gone“ (2015) noch überschwänglich viel beinhaltete, hier ein Stück weit fehlen. Aber meine Schwäche für Banjos ist überdurchschnittlich groß, das mag es dramatischer machen.

Wer von euch gerade sehnsüchtig auf neues Material von Bands wie Mighty Oaks, The Paper Kites oder Angus & Julia Stone wartet, könnte diese Zeit mit „Burn Right Trough“ überbrücken und die drei Australier von Sons Of The East ins Herz schließen.



SONS OF THE EAST live

04.06.2019: Leipzig, Werk 2
05.06.2019: Berlin, Musik & Frieden
06.06.2019: Hamburg, Nochtspeicher
14.06.2019: Kagsdorf, Zuparken Festival
15.06.2019: Köln, Rausgegangen Festival
19.06.2019: München, Strom
20.06.2019: Würzburg, Umsonst & Draußen Festival
21.06.2019: Fehmarn, Midsummer Bulli Festival
26.06.2019: Konstanz, Kulturladen
27.06.2019: Nürnberg, Stereo Club
28.06.2019: Frankfurt, Nachtleben
29.06.2019: Bonfeld, Blacksheep Festival


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Pat O’Hara