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„Sorri“: Jonas David bricht die Stille

„Sorri“: Jonas David bricht die Stille

Zwischen Melancholie und Optimismus liegt „Sorri“. Zwischen Wahnsinn und Nudeln entstanden. Und heute, zwischen Regen und Sonnenschein, von Jonas David als neue Single und erste Auskopplung seines kommenden Albums veröffentlicht.


Ein Artikel von Anna Fliege – Es gibt Songs, die brauchen ein paar Runden auf dem Plattenteller, bis der Funke überspringt. Und es jene, die einen ohne jegliche Vorwarnung aus dem Konzept und von den Füßen reißen, dann nicht mehr loslassen. „Sorri“ ist einer der letzteren Sorte.

Über fünf Minuten baut sich der Track auf, erst minimalistisch und ruhig, dann immer größer, fragmentaler werdend. Immer mehr Instrumente und verspielte Arrangements bauen aufeinander auf, bei Minute 3 kommen mir die Tränen.

Melancholisch-euphorisch erschafft Multiinstrumentalist Jonas David eine Soundwand im Zusammenspiel mit seiner charismatischen Falsettostimme, die einen sprachlos zurücklässt, bevor man auf den „Nochmal„-Button klickt, um die Gefühlsachterbahn ein weiteres Mal zu durchleben.

Im letzten Herbst macht er sich auf den Weg nach Italien. Auf der pittoresken Sonneninsel Sizilien, wo es zu dieser Zeit auch schon einmal regnen kann, nimmt er sein Album „Goliath“ auf.

Letztes Jahr im Herbst ist ein Volvo auf die Autobahn Richtung Süden gerollt, beladen mit 2 Personen und so viel Equipment, dass bei den kommenden Grenzkontrollen jeder Zollbeamte beim Öffnen des Kofferraums sicher dankend ablehnen würde. Zum Glück, denn wie so viele Dinge überhaupt in den Wagen gepasst hatten, war an sich schon ein Beweis, dass es einen Gott geben muss. Ein wenig so, wie der Trabi mit den Clowns. Nur mit dem Unterschied, dass es nur 2 Clowns waren und jede Menge Zeug, welches in meinen Augen angeblich unverzichtbar war.“



Dort entsteht „Sorri“, das erste namentliche musikalische Lebenszeichen des Wuppertalers seit seiner 2017er-EP „Fives Stones„. Es ist ein Schritt raus aus der überwiegend gitarrenbasierten Indie-Musik, fünf Schritte weiter zur Entfaltung der Kreativität, die in Jonas steckt.

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Im dazugehörigen Video, gedreht von seinem Freund und Reisekumpanen Norman Tebel, nimmt uns Jonas David mit ans Wasser. Es ist windig, die Wellen sind hoch und zerschellen hin und wieder am Steg, die Sonne bereits untergegangen. Ruhe und Unruhe tänzeln umeinander herum, doch nicht so schön wie der Künstler selbst. Auch das Bewegtbild nimmt, wie der Song selbst, nach und nach an Ausdrucksstärke zu.

Vielleicht ist es das Video, oder doch auch der Song an sich, der die Sehnsucht weckt. Denn wer wie ich gerne allein am Strand spazieren geht und dabei zu Bon Iver, Ry X, José Gonzales und Sufjan Stevens weint, sollte sich „Sorri“ für den nächsten Ausflug unbedingt in seiner Playlist speichern.

Das neue Album „Goliath“ erscheint im Sommer 2020.


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: JILL VAN DE TWER

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