Die Sonne scheint, das Riesenrad dreht sich wieder und die Stimmung erreicht noch vor der Dämmerung ihren vorläufigen Höhepunkt. Hallo Neuhausen ob Eck, hallo Southside 2018.

Seit Donnerstagmittag hat sich Neuhausen Ob Eck in eine schier endlose Pavillon-Landschaft, gespickt mit kunterbunten Zelten, verwandelt. Die Landebahn wurde seit Öffnung des Campingplatzes in die schönste Flunkyball-Arena des Landes umfunktioniert, alle drei Meter bekommt man einen neuen Ohrwurm, meist ist’s irgendwas von den Kassierern.

Als am Freitag um 14:30 endlich die Tore des großen Festivalgeländes öffnen, schauen allesamt noch etwas müde aus. Grund 1: die fulminante Warm-Up-Party, die auf der White Stage Acts wie KMPFSPRT, die BLACKOUT PROBLEMS, HEISSKALT und Rapstar TRETTMANN bereithielt. Grund 2: die arschkalte Nacht im Zelt.

Als die ersten Acts dann aber zu spielen beginnen, scheint die Müdigkeit verflogen. Wir starten mit SCHLARAFFENLANDUNG, die mit ihrer Mischung aus Rap & Rock die Menschen magisch anziehen.

Während TALCO auf der Green Stage spielen, drehen wir unsere erste Runde mit dem Riesenrad gleich nebenan. Nach dem Ausstieg laufen wir im Stechschritt über das Gelände Richtung White Stage, um pünktlich zum Auftritt von DRANGSAL zu sein. Das Wetter ist derweilen heiter bis wolkig, einen Pulli dabeizuhaben ist nicht die schlechteste Idee.

Drangsals Auftritt dauert gerade einmal 30 Minuten, so eine Frechheit! Doch diese halbe Stunde hat es in sich. „Zores“-Songs, natürlich „Turmbau zu Babel“, ein paar „Harieschaim“-Klassiker und der goldene Abschluss: ein „1000 Mal berührt“-Cover, das die White Stage zum euphorischen Mitsingen & -springen bringt.

Langsam aber sicher ist es richtig gut voll geworden im Take-Off-Park, die Schlagen an den zahlreichen Essensständen sind lang, der allgemeine Bierkonsum hoch, die Freude hier zu sein sowieso.

Als es auf die Abendstunden zugeht, füllt sich die Red Stage rasant. Der Grund? THE VACCINES! Indie-Fans, die sowieso an diesem Wochenende voll auf ihre Kosten kommen, tanzen in Scharen zu „I Can’t Quit“, „If You Wanna“ und „Post Break-Up Sex“.

Zeit für eine Essenspause. Die Schlangen sind nicht unbedingt kürzer geworden, doch MIGHTY OAKS versüßen uns die Wartezeit auf der Blue Stage. Reihenweise sitzen die Leute auf Bänken und dem Boden, genießen die abendlichen Sonnenstrahlen und lauschen der Berliner Folkband. Abgelöst werden sie vom australischen Geschwisterpaar ANGUS & JULIA STONE, die gemeinsam mit dem Sonnenuntergangshimmel unweigerlich für eine romantische Stimmung sorgen. Hach.

Die Green Stage ist um 21 Uhr in ein rotes „KEINE NACHT FÜR NIEMAND“-Banner gehüllt. Die unüberschaubare Menschenmasse, die sich vor der Bühne versammelt hat, wird immer größer. Kurz nach 9 fällt der Vorhang, es gibt 75 Minuten allerfeinstes KRAFTKLUB-Konzert. Pyro, Tänzer, eine B-Stage in der Menge, Wett-Crowdsurfen, alle Hits. Die Chemnitzer haben einfach ein Händchen dafür, niemals langweilig zu werden, egal, wie häufig man sie live sieht. Die Stimmung hat ihren Höhepunkt erreicht.

Nach dem letzten „wenn du mich küsst…“ geht es schnell rüber zur Red Stage, um das gerade begonnene BONAPARTE-Konzert nicht zu verpassen. Das Zelt ist rappelvoll, die Stimmung ausgelassen. Starke Beats und die doch gewöhnungsbedürftige Bühnenshow begeistert, das muss man mit eigenen Augen gesehen haben.

Um kurz nach 23 Uhr steht der langersehnte heutige Headliner auf der Bühne. Die ARCTIC MONKEYS sind zurück – und wie. Ein übergroßer MONKEYS-Leuchtschriftzug schmückt die große Bühne, die Sheffielder Indierock-Legenden tragen feinsten Zwirn und feuern einen Hit nach dem anderen raus. Alex Turner, seit neustem wieder gewohnt bartlos, nimmt uns mit auf eine Reise durch die letzten 12 Jahre ihrer Diskografie. „Tranquility Base Hotel & Casino“-Hit „Four Out Of Five“ dient als Opener, dicht gefolgt vom umjubelten „Do I Wanna Know“. In 90 Minuten kommt jeder Arctic Monkeys-Fan auf seine Kosten, es wird getanzt, gesungen, was ein guter Abend!

Parallel spielen PORTUGAL. THE MAN aus Alaska. Auch hier ist es überaus voll, viele warten natürlich auf „Feel It Still“, der Song, an dem man im letzten Jahr einfach nicht vorbeikam. Doch für Fans des vorherigen Albums „Evil Friends“ ist es ebenso ein Genuss. „Purple Yellow Red & Blue“, „Modern Jesus“, „Atomic Man“, all die wunderbaren Songs spielen die Jungs in ausartenden Live-Versionen.

Gerade, als die Arctic Monkeys zu ihrem letzten Streich, „R U Mine“, ansetzten, beginnt auf der Nachbarbühne bereits das zweite Headlinerkonzert des Abends. ARCADE FIRE, dessen Fangemeinde am heutigen Tage zahlreich erschienen ist, reißen die Blue Stage bis 2 Uhr nachts ab.

Was ein Tag 1. In der Hoffnung, noch nicht alle Kraft aufgebracht zu haben, geht es mit einer riesigen Vorfreude auf den morgigen Tag zurück ins eigene Zelt.


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Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Markus Maier