Ein Abend für die Ewigkeit. Als der rote Vorhang mit dem großen „Keine Nacht Für Niemand„-Schriftzug um 21 Uhr fällt, verwandelt sich die Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle schlagartig in einen riesigen, feiernden Mob. Von der ersten bis zur allerletzten Minute und nach darüber hinaus sind die 7.500 Menschen, die dafür sorgen, dass bereits seit Wochen ein AUSVERKAUFT neben diesem Tourstop prangte, textsicher und unermüdlich begeistert.

Mit diesem Konzert beweisen Kraftklub einmal mehr, wieso sie die beste Live-Band Deutschlands sind. Die Chemnitzer, die bereits vor zwei Jahren im Rahmen ihrer „Randale„-Tour die Düsseldorfer Konzertlocation restlos ausverkauften, sind mit ihrem dritten Studioalbum „Keine Nacht Für Niemand“ zurück. Das dritte Album infolge, das in der ersten Woche von 0 auf 1 der Albumcharts kletterte und mit „Hallo Nacht“ und „Fenster“ die Räumlichkeiten bereits innerhalb der ersten Minuten zum Zerbersten bringt. Beim „Fenster“-Refrain singt jeder der Anwesenden so laut mit, dass die Band fast untergeht: GÄNSEHAUT!

Spring aus dem Fenster für mich, spring aus dem Fenster für mich, du kannst was erreichen, trag auch du zu etwas bei

Verwaschene Skinny-Jeans, weiße Sneaker, das weiße Poloshirt, die roten Hosenträger – die altbekannte Kraftklub-Uniform. Doch die aktuelle Tour verspricht hier und da ein kleines Kostümierungsschmankerl. So tauscht Frontsänger Felix Brummer während „Sklave“ sein blütenweißes Hemd gegen ein schwarzes Lackoberteil ein und fuchtelt gekonnt mit einer kleinen Lederpeitsche herum (das mag absurd klingen, doch wenn man dabei gewesen ist, gehts eigentlich). Für „Band mit dem K“ hingegen schlüpft er in eine päpstliche Robe, welch göttlicher Anblick!

Wir geben keine Konzerte, wir halten heilige Messen

Kraftklub und ihre Fans, das ist die schönste Symbiose, die Düsseldorf seit langem erlebt hat. Reihenweise glücklicher Gesichter vor und auf der Bühne und keine einzige Sekunde in den 120 Minuten Set, in welcher die Stimmung auch nur ansatzweise abflachen wollte. Felix verpackt die Zwischenansagen mit seiner Art in humorvolle Sprüche, immer wieder durchfährt die Halle herzliche, echte Lacher. Doch wird die Aufmerksamkeit vom Sänger auch dazu genutzt, wichtige, politische Dinge zu sagen, sich gegen Rassismus, Sexismus und Faschismus auszusprechen. Die Zustimmung des Publikums kommt ohne zu zögern, untermalt wird diese wichtige Message nicht zuletzt dank Glücksrad-Auswahl mit einem „Schrei nach Liebe„-Cover.

Für die Zugabe schauen Kraftklub auf der B-Stage-Hebebühne im hinteren Drittel der Halle vorbei, trohnen euphorisch über dem feiernden Pulk, spielen „Ich will nicht nach Berlin“ und „Randale„. Um zurück zur eigentlichen Bühne zu kommen, nehmen die 5 Musiker einen eher unkonventionellen Weg: über’s Publikum. Wett-Crowdsurfen nennt sich der von der Band entwickelte Konzertsport. Am Ende findet der ambitionierte Keyboarder/Gitarrist Steffen Israel als Gewinner auf die Bühne zurück.

„Hey, Randale, hey hey, Randale, hey, Randale, hey hey, Randale!“

Neben einer ausgelassenen Stimmung während des Auftritts selber, kann man sich auf einem Kraftklub-Konzert übrigens vor allen Dingen auf eine Sache besonders verlassen: Eine hervorragende Vorband-Auswahl! Durfte man in den vergangenen Jahren bereits Bands wie Wanda, Von Wegen Lisbeth, Zugezogen Maskulin, RAZZ, Gurr oder zuletzt Blond feiern, gab es am gestrigen Abend die Möglichkeit, den fabelhaften Faber samt Band zu sehen. Der schweizer Lockenkopf mit dem schelmischen Grinsen und der tiefen Stimme verbindet frivole Texte mit europäischer Tanzmusik und bringt mit seinem Album „Sei Ein Faber Im Wind“ ganz neue Facetten in den Einheitsbrei der aktuellen Musik. Es wird geklatscht, mitgesungen, gefeiert – so darf ein guter Abend immer anfangen!

So wunderbar der Abend begann, so endet er schließlich in einem bombastischen Konfettiregen, während alle gemeinsam die Zeilen von „Songs für Liam“ mal in der normalen Version, mal mit der „Hey Jude„-Melodie, aus vollem Herzen mitsingen. Unter tosendem Applaus verbeugen sich die fünf Jungs, indes dröhnt „Junimond“ von Echt aus den Boxen. Als sich die Leute Richtung Ausgang bewegen, kann es kaum einer an sich halten, „Es ist vorbei, bye bye…“ vor sich hin zu singen.

Nach Ende der „Keine Nacht Für Niemand“-Tour 2018 müssen wir uns zum Glück nicht all zu lang gedulden, bis wir die sympathische Band wiedersehen können. Neben etlichen Festivalslots geben sich Kraftklub die Ehre, als Gastgeber auf ihrem eigenen Kosmonaut Festival, das sich in den letzten Jahren in Chemnitz etabliert hat, zu spielen. Zudem gibt es im August am 04. August in der Berliner Wuhlheide und am 25. August am Dresdener Elbufer die Chance, Kraftklub im Rahmen ihrer „Kein Sommer Für Niemand“-Open Air-Reihe zu sehen.



„Keine Nacht Für Niemand“-Tour 2018
17. März – Kiel, SparkassenArena
18. März – Lingen, Emsland Arena
21. März – Göttingen, Lokhalle
22. März – Köln, Palladium
23. März – Köln, Palladium
24. März – Freiburg, SICK-Arena

Kosmonaut Festival 2018
29. – 30. Juni – Chemnitz, Stausee Rabensee

„Kein Sommer Für Niemand“-Open Airs 2018
04. August – Berlin, Wuhlheide
25. August – Dresden, Elbufer


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Dominik Huttner

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