Endlich wird wieder mit den Köpfen genickt. Das bereits vierte Album des Duos T9 ist am Start. Das hier ist kein Moshpit-Rap, kein Shisha-Bar-Sound.D ie Beats klingen retro. Nicht unbedingt, weil sie in die Jahre gekommen sind. Nur, weil sie in der gerade bestehenden Deutschrap-Blase exotisch klingen. Eine erleichternde Tatsache.


Ein Artikel von Anna Fliege – Die Finesse steckt hier in den Samples. Darum kümmert sich Torky Tork, der Beatverantwortlicher meiner Lieblingskombi Audio88 & Yassin. Ergänzt wird er, irgendwo muss die Zahl ja herkommen, durch Doz9. Seine überpräsenten Reime, die entweder Schmunzeln, Nachdenken oder Fragezeichen im Kopf auslösen, beglücken uns auf „Maestro Antipop“ zuhauf. Zusammen sind sie T9. Wie die Autovervollständigung am Nokia 7210 – nur besser.

So ganz abkapseln vom Alltags-Rapbizz können sie sich dann doch nicht. Zwar bleibt der Lambo in der Garage und die weißen Lines auf den Adidas-Jacken, eine Mutter wird dann aber doch sexuell befriedigt. Ohne wäre es ja auch langweilig, nicht? „Mama“ ist mit seinem besänftigenden Gitarrenriff als Untermalung schon fast ein friedfertiger Song.

Brillieren tut das Album nicht zuletzt durch einige namenhafte Features wie Flo Mega, Lakmann oder Megaloh – mal mehr oder weniger präsent auf den Tracks. Und so dezent wie auf „Maestro Pop“ haben wir Nico K.I.Z noch nie erlebt. Er schenkt dem Chor eine weitere Stimme, doch bleibt er im Zaum, bricht nicht in seiner Nico-Art aus, stiehlt T9 nicht die Show.

Ich weiß nicht, ob ich das hier so konsequenzlos aufschreiben darf oder ob nach Veröffentlichung eine Entourage vor meiner Haustür steht, aber: „Prosecco Boogie“ erinnert mich in seinen Längen irgendwie an Bilderbuch und das soll gar nicht negativ gemeint sein. Ein Song, der es sich mit einem Handtuch auf meiner Sommer-Playlist bequem machen kann. Cheers!

Audio88 lässt es sich nicht nehmen – oder andersherum: T9 sind so gütig, Torky Torks liebsten Beatabnehmer zu einem Teil ihres Grande Finale zu machen. Während ein Großteil des Albums doch sehr entspannt war, ist „Chuck Palahniuk (Blut)“ doch noch ein richtiger Auf Die Fresse-Track. Das liegt in der Natur von Audio88s Stimme und der eingespielten Kombo. Ist geil.

Mit 18 Songs, also so richtigen Songs, keine Anhäufung von 20 Sekunden-Skits, ist „Maestro Antipop“ ein richtiges Brett. Ein Album mit Lebensweisheiten („Kind, du brauchst Kontext„) und philosophischen Alltagsfragen („Ist das Kunst oder Kanye West?„).



T9 „Quality Time“ T9UR 2019

28.09.2019 Magdeburg – Insel Der Jugend
04.10.2019 Leipzig – Distillery
05.10.2019 Hamburg – Häkken
11.10.2019 Köln – Roxy
12.10.2019 Dresden – Groovestation
18.10.2019 München – Kranhalle
19.10.2019 Stuttgart – Freund & Kupferstecher
25.10.2019 Hannover – Faust
26.10.2019 Berlin – Humboldthain
30.10.2019 Frankfurt – Nachtleben


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Jerome Reichmann