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The Academic & „Acting My Age“: Die neue, reflektiertere Indie-Rock-Generation

The Academic & „Acting My Age“: Die neue, reflektiertere Indie-Rock-Generation

Ein Debütalbum auf Platz 1 der heimischen Charts, als Support der Rolling Stones im größten Stadion des Landes spielen, die Welt bereisen und nicht nur jede Menge Eindrücke, sondern auch eine stets wachsene Fanbase mit nach Hause bringen. The Academic haben in den letzten Jahren einiges erlebt, das fast zu schön klingt, um wahr zu sein. 


Ein Artikel von Anna Fliege – Einmal beim Streaming-Anbieter richtig abgebogen und man befindet sich plötzlich drei Stunden später in den Tiefen einer Endlosspirale von Artists, die man bis eben noch nicht kannte, nun aber direkt als Lieblingsband aufnimmt. The Academic gehören seit einigen Jahren (es sind schon fünf, wie die Zeit vergeht…) dazu. Als ich 2015 zufällig auf ihre zweite Single „Different“ stieß, war es um mich geschehen. Songs wie „Why Can’t We Be Friends?„, „Bear Claws“ und „Mixtape 2003“ landen seitdem auf fast jeder Playlist, denn irgendeinen guten Grund gibt es immer, den Leuten die irische Indieband ans Herz zu legen.

DIE BAND

Es beginnt als typische Band-Bilderbuch-Geschichte, als vier Schulfreunde ihre gemeinsame Leidenschaft für Musik entdeckten und eine Band gründeten. Wir haben diese Story hunderte Male gehört, uns gefragt, wieso wir nicht selbst zwischen Mathe und Bio den Bass in die Hand genommen haben und einen gut klingenden Begriff mit einem ‚The‘ versehen haben. Soweit so gut. Nur selten fährt die Geschichte damit fort, als Support für die Rolling Stones angefragt zu werden. Tja, The Academic sind eben nicht ‚eine von vielen‘. 2015 veröffentlichten sie ihre erste Single „Northern Boy„, 2018 folgte nach einer handvoll weiteren, hitverdächtigen Singles das Debütalbum „Tales From The Backseat„, das in ihrer Heimat Irand auf Platz 1 der Albumcharts einstieg.

DER SOUND

Craig, Dean, Matthew und Stephen verbindet eine innige Liebe zu den amerikanischen Indie-Gegenwarts-Legenden Vampire Weekend und The Strokes – und wenn man auf große Vergleiche steht, machen The Academic tatsächlich die perfekte Mischung aus beiden Bands. Euphoriegetriebener Indierock, der für immer im Ohr bleibt, wenn man erstmal damit angefangen hat. Auch „Acting My Age“ macht da keine Ausnahme. Seit jeher schafft es die Band, Songs zu veröffentlichen, die man auch Jahre später noch mit der gleichen Freude hören kann. Mit Produzent Nick Hodgson, dem ehemaligen Drummer der Kaiser Chiefs, holte sich das Quartett einen Experten ins Boot, der an so einigen zeitlosen Indie-Evergreens beteiligt war.

DIE THEMEN

Acting My Age“ klingt gereifter und nicht mehr so sorgenlos, wie es „Tales From The Backseat“ noch konnte. Die EP handelt von sich verändernden Freundschaften, die klarere Sicht hinter die Fassade der Menschen, die einen umgeben. Das eigene Unperfektsein wird deutlicher, doch damit auch die aktive Entscheidung, damit okay zu sein, Selbstvertrauen zu manifestieren. Die Band findet dazu folgende, warme Worte: „Was wir sagen wollen, ist, dass man Vertrauen in sich selbst haben soll, seine Träume verwirklichen kann und auf niemanden hören muss, der das Gegenteil behauptet“. Coming-Of-Age-Einsichten, die man sich vor ein paar Jahren in dieser Form nur allzu sehr gewünscht hätte.

DER LIEBLINGSTRACK

Überraschenderweise der Closing-Song „Them„. Ungewöhnlich ruhig und melancholisch für die sonst durch tanzwütige Melodien bekannte Band. Konzentrierte Traurigkeit mit cleverem Songwriting und einem Sound, den man über nächtliche, einsame Filmszenen legen könnte, um dem persönlichen Drama einen passenden Soundtrack zu verleihen.

DIE PERFEKTE ERGÄNZUNG FÜR…

Die lange Liste an Gründen, endlich The Academic-Fan zu werden. Die ausufernde Indie-Playlist (wie hier). Den TED-Talk darüber, dass Irland gerade zur Hochburg der Popkultur wird.

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DAS FAZIT

The Academic gehören mittlerweile fest zum Ensemble der neuen Indie-Rock-Generation, die musikalisch die gleichen Vibes wie vor 10-15 Jahren versprühen, dabei textlich aber weniger engstirnig und viel selbstreflektierter klingen, als ihre Vorbilder – zum Glück. Mit „Acting My Age“ veröffentlichen sie eine gelungene 6 Track-EP, die als Lebenszeichen der Band gut funktioniert, Vorfreude auf das zweite Album (soll 2021 rauskommen) macht und dazu führt, „Tales From The Backseat“ wieder rauszuholen.




Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Oktober Promotion

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