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The Aces & „Under My Influence“: Indie-Pop für Millenials

The Aces & „Under My Influence“: Indie-Pop für Millenials

Die Frage, was Indie-Pop genau ist, ist nicht immer leicht zu beantworten. Eine Band, die das Genre aktuell gut zusammenfasst, ist The Aces. Die vier Amerikanerinnen machen schon seit ihrer Schulzeit in Provo, Utah zusammen Musik. 

Ein Artikel von Carla Rosocha Zwei Schwestern und zwei weitere Freundinnen konstituieren die Band – Amerika, Schwestern, Indie Pop? Da mag einem auch HAIM in den Sinn kommen, dieser Vergleich beruht aber nur auf der Verwandtschaft, die man in beiden Bands findet und der weiblichen Besetzung. Musikalisch kann man The Aces viel besser mit den Pale Waves oder den frühen The 1975 vergleichen. Außerdem zeichnet sie sich durch zeitgemäße, selbstbewusste und nachfühlbare Texte aus. 

2016 veröffentlichte die Band ihren ersten Song Stuck, kurz darauf wurden sie von Red Bull Records gesigned, 2018 folgte das Debutalbum My Heart Felt Volcanic, welches sehr positiv von Kritiker*Innen aufgenommen worden ist. Zwei Jahre später erschien letzte Woche das zweite Album Under My Influence und The Aces nehmen ihre Hörer*Innen 14 Tracks durch Herzschmerz, Liebe und das Leben mit. 

Der Opener Daydream ist ein absoluter Hit, unverkennbar einer der stärksten des Albums. Bereits als Single erschienen und hier an erster Stelle platziert, beginnt das Album sehr stark.

Der Song Cruel ist ein Heartbreak-Song, der wahrscheinlich der persönlichste auf diesem Album, dabei ist er aber nicht langsam und hat den Rhythmus, den The Aces unverkennbar machen. 

Why’d I have to love something bad?
Can’t you go and hurt someone new?
Why protect myself to give it all back?
How am I back to square one with you?
Oh, I’ve lost myself
In a vicious hell

Während man auf dem Vorgängeralbum die klavierlastige Ballade Hurricane findet, schmeißt die Band in Under My Influence nur so mit tanzbaren Pop-Songs um sich; Lost Angeles ist ein weiterer Höhepunkt. Das Wortspiel überzeugt durch die Einfachheit und der Song nimmt einen auf einen Trip durch die Großstadt und die Gefühle der Sängerin, Cristal Ramirez.

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My Phone Is Trying To Kill Me mag sich als Songtitel vielleicht a la Boomer-Aussage: „hier im Café bitte keine Laptops nutzen, wir zählen auf echte Gespräche“ anhören, aber dahinter versteckt sich eine Lebensrealität, die für viele und wohl auch The Aces Fans, nicht unbekannt ist: Das Gefühl, auf unread geblieben zu sein.

Zu jeder guten Coming-of-Age-Indie-Band gehört ein Song über den Heimatort. 801 ist das für The Aces. Der beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Ausgehen in der Stadt, sondern spricht auch ganz offensichtlich (wie auch an vielen anderen Stellen des Albums) die queere Identität einige der Bandmitglieder an: Me and my girl, we’re at the start of the show, everyone watches us, out on the floor (…) and I love her so, so I don’t care, what they think (801).

Ein Bestandteil, der die Band auszeichnet, ist, dass sie grundsätzlich für weibliches Empowerment und queere Sichtbarkeit stehen (von was sie, nach eigenen Angaben, zunächst abgeraten wurden). 801 lässt sie gleichzeitig wie die coolsten Frauen aus der ganzen Stadt klingen; – das trifft höchstwahrscheinlich auch zu. Der Anfang des Songs kommt Doin‘ Time von Lana Del Rey nah, ist durch das langsame Schlagzeug sehr atmosphärisch.

Under My Influence ist lang, es bleiben vielleicht nicht alle Lieder hängen, wie zum Beispiel die letzten beiden Songs, Going Home und Zillioniare. Dafür sind sich die Songs von der Art manchmal zu ähnlich. Dennoch kann man sich das Album nicht entgehen lassen, denn es sind wirklich stabile, tanzbare Indie-Pop-Songs, die am Zahn der Zeit liegen. Wir brauchen mehr davon. In der Zukunft wagen die vier Frauen hoffentlich auch einen kleinen Ausbruch aus dem Genre.

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