Reading, eine verschlafene britische Stadt westlich von London, ist seit langem bekannt für das jährlich stattfindende Zwillingsfestival Reading & Leeds. 2017 gesellte sich dazu eine vierköpfige Band, die mit ihrem selbstbetitelten ersten Album alle Aufmerksamkeit auf sich zogen und schnell zu gefeierten Jungstars wurden. Nun, zwei Jahre und etliche Konzerte später, stehen The Amazons mit „Future Dust“ vor der Tür und machen unverzüglich klar, dass sie sich weiterentwickelt haben. 

Ein Artikel von Anna Fliege – Die Review zum Amazons-Debüt war einer der ersten, die ich je schrieb. Die Band, mir bis zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannt, hatte mich schnurstracks in ihren Bann gezogen und zählt mich seither zu einer ihrer treusten Fans. Kein Wunder also, dass die Ankündigung von „Future Dust“ größte Euphorie in mir auslöste und mir nur Minuten nach der Weltpremiere die erste Singleauskopplung „Mother“ zu Gemüte führte.

Mother„, gleichzeitig der Opener des Albums, legte den Grundstein für den neuen, reiferen Sound von The Amazons. Das verrät mir Frontmann Matt Thompson wenige Stunden vor dem Release am Telefon (INTERVIEW). Nach einem langen Intro wird in Sekunde 40 klar, dass die Band den Indie-Rock-Pfad hinter sich gelassen hat.



Wer sich 2019 nach einem richtig geilen Rock-Album gesehnt hat, wird mit „Future Dust“ sehr glücklich werden. Inspiriert von alten Led Zeppelin-Alben und der bereits auf dem Debütalbum zu findenden Hard Rock-Anleihen sind The Amazons lieber ihrem Herz, als der breiten Masse gefolgt. Die Platte klingt schwer, sexy, verrucht, düster.

Von der guten Laune, die uns vor zwei Jahren Songs wie „Junk Food Forever“ oder „Black Magic“ bescherten, ist nicht viel übrig geblieben. Schaden tut das der Platte keinesfalls, sondern lässt die Entwicklung der Band in vollem Glanze erstrahlen. „Doubt It“ ist das beste Beispiel für den Retro-Vibe, der sich durch das Album zieht. Ausladene Songs mit noch ausladenderen Gitarrenriffs, die wir schon vom „Future Dust„-Vorgänger kommen und nun noch viel ausgiebiger genießen können.


We realised we’re a rock’n’roll band. It might not be cool or make us millions, but it’s what works for the four of us.“ – Drummer Joe Emmett


Future Dust“ macht, wenn man auf modernen Hard Rock mit britischer Färbung steht, großen Spaß. Wer dem Sound der ersten Platte hinterher trauert, wird in „All Over Town“ seinen Trost finden und schnell Gefallen an den härteren Klängen finden, versprochen. Man kann gar nicht anders, als die Luftgitarre aus dem Schrank zu holen und seine eigene Performance zu den Headbang-Songs in der heimischen Küche hinzulegen.

Und trotz dem beschriebenen Retro-Feeling klingt „Future Dust“ nicht ausgelutscht, sondern knackig frisch.  Für Fans von Acts wie Band of Skulls, Royal Blood und dem Mut, sich nach dem großen Hype seiner Intuition zu folgen, genau das Richtige. Man darf gespannt sein, wohin die Reise von The Amazons als nächstes geht – am Ziel angekommen sind sie noch lange nicht, sagt Matt.



THE AMAZONS live

11.10.19: Köln, Artheater
15.10.19: Hamburg, Molotow
18.10.19: Berlin, Musik & Frieden
23.10.19: München, Hansa 39


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Alex Lake