In einer Zeit, in der menschlicher Kontakt neu definiert wird, veröffentlicht die britische Band The Howl & the Hum ihr lang ersehntes Debütalbum «Human Contact». The Howl & The Hum, die bisher durch fabelhafte Kompositionen wie die Debütsingle Godmanchester Chinese Bridge oder Portrait I brillierten, bringen mitten in einer globalen Krise ein Album auf den Markt, das vielfältiger und treffender nicht hätte sein können.


Ein Artikel von Sara Städler – Die Intention der vier jungen Musiker aus York ist es, mittels «Human Contact» eine moderne Form der Einsamkeit zu thematisieren. Eine Einsamkeit, die uns in der heutigen Gesellschaft nicht(s) vergessen lässt. Liest man die Beschreibung des Albums, erwartet man ein von Melancholie und Selbstmitleid geprägtes Werk – doch gleich mit dem Opener Love You Like A Gun überraschen die vier Briten mit ungewohnt drum-lastigen Beats und schnellen Rhythmen. Obwohl man es sich nicht gewohnt ist, solche Töne von The Howl & the Hum zu hören, passt es doch zu ihnen, da das Lied durchaus «clean» produziert ist: Nur die Stimme und Perkussion sind zu hören. «Just keep dancing to the drum» – diese Zeile ist selbstredend. Ein neuer, erfrischender Indie-Track, der definitiv das Zeug zur nächsten Singleauskopplung hat.

Der Text zum titelgebenden Track Human Contact, vor allem aber der Auszug «All I’m craving is a human touch», spricht in dieser herausfordernden Zeit im Frühjahr 2020 wohl den meisten Menschen aus dem Herzen. Sänger Sam Griffiths hofft, dass das Album die Relevanz menschlichen Kontaktes und der Interaktion in einem digitalisierten Zeitalter hervorheben wird. Dazu nimmt er weiter Stellung:

 «All we have now is our memories, and that is all we are made of, so this album is a necessary exploration of trying to overcome our past, only to realise that in doing so we are losing what it is to be human.»



Die Annäherung an elektronische Klänge ist auf diesem Album deutlich spür- und hörbar: Neben dem Opener bietet auch Human Contact ungewohnt treibende Rhythmen. Got You On My Side stimmt verglichen dazu etwas ruhigere Töne an, doch verzichtet auch nicht auf elektronische Untermalung. Ebenso wird die aktuelle Single, 27, durch pulsierende Electro-Beats und Synthies geprägt. Das Debütalbum zeigt so eine neue Seite der Musiker, die sonst eher im akustischen Bereich angesiedelt sind.

Until I Found A Rose erinnert mit seinem Post-Punk-Sound an die Indie-Hymne An End Has A Start der Editors aus dem Jahr 2007. Es zeigt, dass The Howl & the Hum nicht nur melancholische Klänge anstimmen, sondern auch instrumental mächtig auffahren können. Sweet Fading Silver überzeugt durch seine lyrische Komposition und sanfte, aber dennoch emotionale Darbietung. Mit dieser Kombination reiht sich der Track nahtlos in die bisherige Diskographie von The Howl & The Hum ein. Auch The Only Boy Racer Left On The Island besticht durch den ausdrucksvollen Gesang und spielt mit den typischen Stilmitteln der Band.

Human Contact macht Lust auf mehr. Mehr zwischenmenschliche Kontakte, mehr vielversprechende Veröffentlichungen von ihnen, mehr schweisstreibende Konzerte. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses «Mehr» bald ausgelebt werden kann. Bis dahin ist man mehr als gut bedient mit den 13 neuen Tracks, die uns The Howl & The Hum mit «Human Contact» bescheren.



Autorin: Sara Städler / Photocredit: Netti Hurly