Obwohl die Uhren in der Nacht zum Sonntag um eine Stunde nach vorne gestellt werden, katapultiert uns der Samstagabend um einige Jahre zurück in die Vergangenheit  Es ist Song 2, der „Sofa Song“, der uns vollends in der Jahr 2005 zurückversetzt. Aber nicht so, dass langsam die Panik über nicht-gemachte Mathehausaufgaben ausbricht.

Ein Artikel von Anna Fliege – Eher so, dass der Bochumer RuhrCongress wieder unsterblich in Luke Pritchard, den Frontsänger der Brightoner Band The Kooks, verliebt sind.Dass das Release von „Inside In/Inside Out“ bereits 14 Jahre in der Vergangenheit liegt, ignorieren wir an dieser Stelle. Die Locken sitzen nämlich immer noch, das gestreifte Shirt ist seit einigen Jahren einem Hemd aus feinstem Zwirn gewichen. Der Spaß, auf der Bühne zu stehen, ist aber nach wie vor der selbe.

Mit den Krachern „Always Where I Need to Be„, „Sofa Song“ und „Eddie’s Gun“ feuern The Kooks bereits zu Beginn ihrer langen Setlist (20+ Songs) eine Batterie an Megahits an, das die Ruhrpottstadt von den Füßen reißt und sie tanzen lässt. Das Set der britischen Indie-Rocker setzt sich zu ungleichen Teilen aus den fünf Alben zusammen, das aktuelle „Let’s Go Sunshine“ geht dabei fast ein bisschen unter.

Stören tut das allerdings niemanden. Dafür ist die Euphorie um „die Klassiker“ viel zu hoch, viele der Anwesenden begleiten die Band seit Beginn der schillernden Karriere, die anfing, als Indie gerade der heißeste Scheiß war.



Es ist ein Samstagabend wie aus dem Bilderbuch eines Musikvirtuosen. Er beginnt mit dem schottischen Singer-Songwriter Callum Beattie, der bereits eine halbe Stunde nach Einlassbeginn auf der Bühne steht und die in Freude gehüllten Besucher begrüßt. Eine kurze Umbaupause später stehen Blossoms an seinem Platz. Die sind in UK längst Superstars und für Dauer-Kooks-Fans wie mich alte Bekannte, denn bereits auf der „The Best Of…So Far„-Tour vor zwei Jahren begleiteten sie die Band. Die kreischende erste Reihe verrät, dass die erneute Kombi keine allzu schlechte Idee war.

Kurz nach 21 Uhr betreten die Brightoner dann die Bühne. Seit Ende letzten Jahres fehlt Bassist Pete, der die Band aus bisher noch ungenannten Gründen nach über 14 Jahren verließ. Luke Pritchard steht aber in altbekannter Bestlaune vorne an der Bühne, springt herum von links nach rechts, packt Tanzmoves aus, die so herrlich sympathisch sind, dass man sich anstecken lässt.

Songs wie „Ooh La„, „Do You Wanna“ und „Junk of the Heart (Happy)“ lassen die Herzen im RuhrCongress reihenweise höherschlagen. Unterbrochen wird die Britpop-Party nur durch die Soloperfomance am Piano, bei der Luke seinem verstorbenen Vater einen herzzerreißenden Song widmet. Bevor wir jedoch vollends in Tränen ausbrechen können („See Me Now“ ist wirklich emotional), holt uns die Band jedoch wieder zurück auf’s Tanzbein. Andere Songs vom „Listen„-Album, wie „Around Town“ und „Bad Habit„, sind aber auch prädestiniert zum Umherspringen.

Zum Abschluss gibt es vor und nach der Zugabe noch Schätze wie „Seaside“ (Luke Pritchard, seine Akustikgitarre und der einstimmige Chor aus dem Publikum – man möchte es in Marmeladegläser stecken) und Naïve“  halten uns noch einen Moment in den 00er-Jahren, bis die Band sich unter tosendem Applaus von der Bühne verabschiedet und wir zurück ins Jahr 2019 geschickt werden.



THE KOOKS live

01.04.2019 Hamburg – Sporthalle
02.04.2019 Berlin – Tempodrom
03.04.2019 Leipzig – Haus Auensee
05.04.2019 Stuttgart – Porsche Arena


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Lisa Schulz