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The Kooks & „Let’s Go Sunshine“: Nostalgie & frischer Wind

The Kooks & „Let’s Go Sunshine“: Nostalgie & frischer Wind

Dass The Kooks nicht mehr die ungestümen Jungspunde Anfang 20, sondern erwachsene Männer in ihren Dreißigern mit Verlobungs- & Eheringen an den Händen sind, spiegelt sich in den Texten von „Let’s Go Sunshine“ wider. Wo es für’s lyrische Ich 2006 noch im „Sofa Song“ hieß: „And I will do my best just to get under her dress„, stehen heute, 12 Jahre später, Textzeilen geprägt von Erfahrungen, Enttäuschungen und einem völlig neuen Verständnis von Liebe, aber auch von sich selbst.

Nun müssen wir aber nicht darum besorgt sein, dass Luke & Co. verbitterte Erwachsene mit Glückskeks-Attitüde geworden sind, die sich in den Zwängen der sich ständig optimieren wollenden Musikgesellschaft befinden und bedeutungslose Einwegsongs für die gelangweilte Masse zu produzieren, an die spätestens morgen Mittag eh niemand mehr denkt. Nein, keine Angst.

Zugegebenermaßen lehnte sich die Band 2014 mit „Listen“ ganz schön weit aus dem Fenster, probierte sich aus, baute mutig für das Kooks-Universum bis dato unbekannte Elemente ein. Das war erst einmal kurz gewöhnungsbedürftig, dann aber lange sehr schön. Mit dem Vorgängeralbum im Hinterkopf bildeten sich, verständlicherweise, zur Ankündigung von „Let’s Go Sunshine“ Fragen und Bedenken: Back to the roots? Der neuen Linie treu bleiben? Völlig abdriften?

Nachdem man eine Runde mit dem Album gedreht hat (übrigens eine ganz schön große Runde, wo bekommt man heute noch 14 Songs und ein Intro serviert?), kann der versierte Kooks-Fan erleichtert aufatmen, denn Möglichkeit Nummer 3 ist es zum Glück nicht geworden.

Mit „Let’s Go Sunshine“ haben The Kooks ein Stückchen wohltuende Nostalgie geschaffen, die sich nicht auf ihren eigenen Kosmos beschränkt. Für die Indie-Kids, die musikalisch gerne noch in 2006 festhängen und die goldenen „Inside In / Inside Out„-Zeiten nach wie vor zelebrieren, sind „Four Leaf Clover„, „No Pressure“ und „Initials for Gainsbourg“ ein kleines ‚die guten alten Zeiten‚-Präsent.

Pamela„, den Luke im Track by Track als den am wenigsten ernsten Song des Albums nennt, klingt wie das Cover eines Green Day-Songs und ist auch genauso gemeint. Andere Assoziationen bekommt man derweil bei „Tesco Disco„, der ABBA-esque um die Ecke kommt und nicht nur einen wunderschönen Titel, sondern auch einen fabelhaften Inhalt besitzt.

Für die Tanzfreunde sind „Kids„, „All the Time“ und „Chicken Bone“ genau das Richtige. Wer es langsamer mag, findet Gefallen an „Weight of the World“ und „Picture Frame“ (ein waschechter Schunkelsong!).

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Vielleicht mag es an der riesigen, über den ganzen Erdball verteilten „The Best Of…So Far„-Tour liegen, dass man „Let’s Go Sunshine“ die Beschäftigung mit der eigenen (musikalischen) Vergangenheit anhört. Aber auch die mutigen Elemente, die eben nicht typisch für den Kooks’schen Sound sind, sind noch geschickter eingearbeitet als auf „Listen“ – für eine so etablierte und langlebige Bandhistorie wie die der Kooks ist ihr viertes Album ein gelungener Schritt in die richtige Richtung.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Andrew Whitton

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