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The Neighbourhood & „Chip Chrome & The Mono-Tones“: Überraschend, irritierend, begeisternd

The Neighbourhood & „Chip Chrome & The Mono-Tones“: Überraschend, irritierend, begeisternd

Wenn euer ultimativer Herbstsong aus den 10er-Jahren nicht „Sweater Weather“ ist, möchte ich euch hiermit gratulieren, denn scheinbar hattet ihr ein Offline-Leben. Ich hingegen bin Generation Tumblr. Und somit unweigerlich auch Generation The Neighbourhood. 

DIE BAND

Hach, lang ist’s her: Sieben Jahre nach ihrem durch Social Media-geprägten Debüterfolg „I Love You.“ sind The Neighbourhood mittlerweile bei Album Nummer 4. Dafür hat sich Teenie-Dauerschwarm und Frontsänger Jesse Rutherford in silberne Farbe getunkt und einen Alter Ego erschaffen: Chip Chrome. Ich schwanke mit meiner Meinung dazu noch zwischen Quarter-Life-Crisis und Genialität. Aber ich mag gar nicht urteilen über etwas, das ich selbst nicht erfahren habe.

DER SOUND

Zu White Boys With Guitars für die R&B Szene, zu flowig und expressiv, um wirklich Teil der Indie-Szene zu sein – so konnte man The Neighbourhood bisher immer gut beschreiben. Mit „Chip Crome & The Mono-Tones“ wagt sich die Band aus Kalifornien noch näher an Genregrenzen und mit Song für Song auch darüber hinaus. Raus aus den eignenen Gewohnheiten, raus aus den selbst aufgebauten Richtlinien. Wo ich mir beim Character-Building nicht schlüssig bin, bin ich eine große Befürworterin der musikalischen Entwicklung.

Und wer sich jetzt denkt: Klingt schon wie The Neighbourhood, aber doch ein bisschen anders…? Das liegt, so wird es immer wieder gerne betont, an den präsenten Dur-Akkorden. Oder für alle, die das Musik-Grundwissen aus der Mittelstufe längst vergessen haben: Es klingt ziemlich fröhlich.

DIE THEMEN

The Neighbourhood waren vor einigen Jahren der heißeste Scheiß – besonders bei jungen Mädchen. Damit kommt Ruhm, das Rockstar-Leben, der Sinnesverlust für das, was Leute gerne als „echtes“ Leben bezeichnen. Und hätte man mich 2016 nach ihrem Auftritt beim Dockville gefragt, wie es weitergeht, ich hätte nichts all zu gutes prophezeit.

Aber „Chip Crome & The Mono-Tones“ zeigt mit seinen Themen, dass Bands weiße Westen behalten können, auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Aus der Sicht seines Charakters Chip Crome klingt Jesse Rutherford überraschend reflektiert, offenbart sein Bewusstsein, nimmt die schillernde Rockstar-Maske ab. Mehr davon!

DER LIEBLINGSTRACK

Ich steh drauf, wenn musikalische Welten aufeinandertreffen und sich auf völlig neue Art und Weise mit einander verbinden. Stell dir einmal vor, 2016er-„Starboy“-The Weeknd trifft auf 2015er-„What Went Down“-Foals. Wo die Phantasie an seine Grenzen schlägt, liefern The Neighbourhood mit „Devil’s Advocate“ den Beweis dafür, dass es funktioniert.

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DIE PERFEKTE ERGÄNZUNG FÜR…

Ja eigentlich so ziemlich jede Situation. „Chip Crome & The Mono-Tones“ ist fast überwältigend vielfältig und hat somit das Potential, jede*n mit mindestens einem Track so richtig abzuholen. Für Fans von Genre-Clashes ein Must Have auf der heutigen Releaseliste.

DAS FAZIT

Was soll ich sagen. Ich bin überrascht. Irritiert (auf eine gute Art und Weise). Begeistert an vielen Ecken und Enden. The Neighbourhood haben mich da gecatcht, wo ich es am wenigsten erwartet hätte. Schön zu sehen und zu hören, wie sich eine Band über die Jahre entwickelt, verändert und am Ende durch scheinbare Maskerade selbst gefunden hat. Wie es mit Chip Chrome weitergeht und in welcher Form wir die Band in Zukunft erleben werden, bleibt vorerst ein Mysterium.

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