Es ist bereits 22 Uhr am Sonntagabend, als sich das Licht im Kölner Bürgerhaus Stollwerck senkt und „Dancing Queen“ von ABBA aus den Boxen schallt, während die große Pailettenschrift und das goldene Schlagzeug im Schein des sperrlichen Barlichts glitzern. Mit den letzten Zeilen des schwedischen Evergreens betreten The Vaccines aus London unter frenetischem Applaus die Bühne.


Ein Artikel von Anna Fliege – Die Freude auf den heutigen Abend war groß. Erst veröffentlichten The Vaccines mit ihrem vierten Studioalbum „Combat Sports“ im Frühjahr eines meiner Jahresfavoriten, einige Monate später legten sie beim Southside Festival einen erstklassigen Auftritt hin. Und nun also die dazugehörige Tour. Kurzfristig wurde das Konzert aufgrund der großen Nachfrage vom Luxor ins Bürgerhaus Stollwerck verlegt, was mit Blick auf den prallgefüllten Konzertsaal keine schlechte Idee war.

Der Laden ist voll, die Stimmung gut, das Publikum eine wilde Ansammlung von Indierock-Enthusiaten aller Altersklassen. Einzig und allein die Uhrzeit bereitet hier dem ein oder anderen Kopfweh, denn erst um 20 Uhr gingen die Türen auf, um 21 Uhr startete das Support-Trio whenyoung in den musikalischen Teil des Abends und dann ist auch eigentlich gleich schon wieder Montag. Jedoch spätestens, als The Vaccines selbst die Bühne betreten, denkt niemand mehr an Morgen.

Wir befinden und im Hier und Jetzt und irgendwie irgendwo in den letzten 8 Jahren der Bandhistorie, seit ihr Debütalbum „What Did You Expect from The Vaccines?“ erschien. Schon beim Opener „Nightclub“ werden reihenweise Hemmungen vergessen, es wird wild getanzt, zwischen Bühnenshow und Publikum entsteht eine wechselseitige Energie, die wohl niemand an einem Sonntagabend erwartet hätte.

Die Setlist ist pures Gold. 20 Songs, die sich aus den vier Studioalben der Briten und sogar schon wieder zwei brandneuen Songs zusammensetzt. Hier dürfen Lieder wie „Post Break-Up Sex„, „If You Wanna„, „I Always Knew“ oder „Wetsuit“ nicht fehlen. Als Dank für die Songauswahl zeigt sich das Kölner Publikum nicht nur euphorisch bei den ersten Akkorden, sondern auch außerordentlich singfreudig und textsicher.

Ich möchte diesen Abend am liebsten in Marmeladengläser konservieren, so viel Spaß und Freude strahlt er aus. Und es geht anscheinend nicht nur mir so, sondern auch der Band selbst. Zwischen den einzelnen Songs greift Sänger Justin Hayward-Young immer wieder zu dankenden Worten und inmitten seiner ironischen Art wird er plötzlich ganz ernst und ruhig und betont, wie glücklich er mit der Situation gerade ist.

I can’t quit, I’m over it



THE VACCINES live

22.10.2018: Hamburg – Gruenspan
26.10.2018: Berlin – Festsaal Kreuzberg


Autorin & Photocredit: Anna Fliege