Niemand verlässt um kurz vor 23 Uhr im normalen Gang die Live Music Hall, alle bewegen sich tanzend Richtung Ausgang. Die Luft ist verbraucht, die Stimmung ein bisschen zu gut für einen späten regnerischen Sonntagabend. Hier schaut man in insgesamt rund 1.300 überglückliche Gesichter, die sich bis vor zwei Minuten noch mit The Wombats in pure Extase getanzt und gesungen haben.


Ein Artikel von Anna Fliege – Viele Menschen würden bei der Frage nach ihrem „happy place“ aller Voraussicht nach ihr Bett benennen, vielleicht ihre Lieblingskneipe oder die Stadt, in der sie am liebsten Zeit verbringen. Ich würde diese Liste gerne um den Punkt eines The Wombats-Konzerts erweitern. Der gestrige Abend in der Kölner Live Music Hall hat das wieder einmal nur unterstrichen.

Das Liverpooler Dreiergespann ließ es sich nicht nehmen, nach dem letztjährigen Köln-Konzert noch einmal in die Domstadt zurückzukehren. Die Location ist ein bisschen kleiner, die Stimmung dafür umso besser. Der ausverkaufte Laden tanzt und tanzt und tanzt – ein eher seltenes Bild in der Bundesrepublik, wenn wir ehrlich sind.

Es ist erstklassig, angefangen bei den Vorbands. BLOXX aus London klingen mit Fronfrau Ophelia und ihrem Alternative Poprock herrlich frisch, nach sonnigen Tagen in der britischen Hauptstadt und für Fans des Genres nach Wohlfühlen. Ich mache mir eine kleine Notiz, dass ich mich nach dem Abend noch einmal ausführlicher mit der Band beschäftigen muss, denn so schnell begeistert mich eine mir unbekannte Vorband selten.

Weniger unbekannt ist Vorband Nummer 2: Circa Waves. Mit ihrem Megahit „T-Shirt Weather“ eroberten sie 2015 alle Indie-Playlisten, ihr zweites Album „Different Creatures“ darf nicht ungehört bleiben. Ich oute mich als Superfan, kann jedes der 8 Lieder auf der Setlist von Anfang bis Ende mitsingen und grinse wie ein Honigkuchenpferd. Am 5.April erscheint „What’s It Like Over There“, Album Nummer 3. Wer Circa Waves noch nicht auf dem Schirm hat, sollte hier kurz pausieren und das nachholen.

Aber weiter im Text – The Wombats. Murph, Dan und Tord kommen breit grinsend auf die Bühne und versprühen ab Sekunde 1 eine so gute Laune, dass man sie in kleinen Portionen abfüllen möchte. Die Setlist hält allerhand Songs des vierten Albums „Beautiful People Will Ruin Your Life“ bereit, das am Vortag seinen ersten Geburtstag feierte. Und was soll ich sagen, die Party wurde um einen weiteren Abend verlängert. Das Konzert ist so, wie man sich richtig gute Partys in teuren Hollywood-Produktionen vorstellt. Man vergisst Raum und Zeit um sich herum, tanzt ausgelassen und verschwendet nicht einen Gedanken an das Leben danach.

Mit „Moving To New York“ auf Platz 2 der Setlist bringt das Indie-Trio einen ihrer größten Hits direkt zu Beginn und setzt damit die Messlatte selbstbewusst sehr hoch. Und so geht es weiter, Song um Song, 90 Minuten. Die Gespräche zwischen den Songs sind keine einstudierten Storys, die die Jungs Nacht für Nacht runterrattern, sondern Momentaufnahmen, Spinnereien und ein weiterer Beweis für ihre schier grenzenlose Sympathie.

Immer wieder zu bewundern ist die unglaubliche Energie, die The Wombats mit nur drei Mitgliedern auf die Bühne bringen. Eine Positivität, die ohne zu zögern auf die anwesenden Fans überspringt. Klassiker wie „Kill The Director“ und „Techno Fans“ verbrüdern sich mit neuen Songs wie „Bee-Sting“ und „Ice Cream“ – die Setlist ist ein Traum. Stichprobentests, bei denen Murph das Publikum alleine singen lässt, erweisen sich als äußerst positiv und textsicher.

Mit vielen Schmetterlingen im Bauch endet das Konzert. Die Vorfreude auf die nahende Festivalsaison, bei der The Wombats auf dem Hurricane und Southside Festival spielen werden, ist schon jetzt so riesig, dass ich die Monate dazwischen gerne überspringen möchte. Und um diesen Abend mit einem Wombats-Zitat aus meinem Lieblingssong „Turn“ abschließend zu beschreiben: „It won’t get better than this„.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Lisa Schulz