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#ThrowbackThursday: Bon Iver & 22, A MILLION

#ThrowbackThursday: Bon Iver & 22, A MILLION

Es gibt Alben, die funktionieren einfach direkt für den einzelnen Hörer, quasi Liebe auf den ersten Ton. Und dann widerum gibt es diese Alben, die scheinbar jeder feiert, außer man selbst. Alben, die zum Jahresende hin in vielen Bestlisten auf den forderen Rängen oder sogar an der Spitze landen, während man selbst noch mit Fragezeichen im Kopf dasitzt und sich fragt, was denn alle an diesem Album finden. Ja, so erging es mir mit dem heutigen #ThrowbackThursday-Album, Bon Iver’s „22, A Million„.

Justin Vernon, der Mann hinter dem Kunstprojekt Bon Iver, veröffentlichte sein drittes Album am 30. September 2016, doch erst Aufnahmen seines Coachella-Sets im April 2017 brachen das Eis zwischen mir und „22, A Million„. Nach zwei schwer-melancholischen, folkigen Alben, brach mit dem Drittlingswerk eine neue Ära an. Fragmentierte Folktronica-Elemente, Loops, Sampler-Schnipsel, Synthesizer, alles ein wenig kryptisch und längst nicht so eingängig wie Bon Iver-ischen Klassiker „Skinny Love“ oder „Holocene„. Um dieser neuen Kunstebene noch mehr Mystik zu verleihen, benannte Justin Vernon die Songs nach seinen Lieblingszahlen und stilisierte die Songtitel abenteuerlich.

„With no word from the former, I’d be happy as hell, if you stayed for tea
(I know so well that this is all there is)“
Ja, „22, A Million“ ist ein 34-minütiges Abenteuer, eine Achterbahnfahrt der Gefühle, zart und brutal zugleich. Was mit dem behutsamen „22 (OVER S∞∞N)“ beginnt, geht mit „10 d E A T h b R E a s T ⚄ ⚄“ in eine dunkle und dabei tanzbare Richtung (ja, Bon Iver und tanzbar sind zwei Dinge, die man nicht unbedingt zusammenbringen würde). Brummende Beats und Trompeten schlagen sich ihren Weg. Auf jeden Track folgt ein unerwarteter Wechsel, hier wird mal ganz auf den Bass verzichtet („715 – CR∑∑KS„), dort spielt das Klavier die Hauptrolle („33 „GOD“„) und findet mit dem zehnten Song „00000 Million“ schließlich sein Grande Finale, das beruhigend melancholisch nach dem altbekannten Bon Iver klingt.

Manchmal braucht man seine ganz eigene Zeit, sich auf ein Album einzulassen und sich irgendwann darin fallen zu lassen, „22, A Million“ ist so eins (zumindest für mich). Heute zähle ich es ungeniert zu einem meiner Liebsten, ein das geht immer-Album.


BON IVER live
26. Oktober 2018 – Berlin, Max-Schmelling-Halle

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Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Cameron Wittig & Crystal Quinn

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