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#ThrowbackThursday: Kraftklub & KEINE NACHT FÜR NIEMAND

#ThrowbackThursday: Kraftklub & KEINE NACHT FÜR NIEMAND

Man hätte sich keine Gedanken um ein weiteres Erfolgsalbum gemacht, wäre da im März 2017 nicht diese polarisierende erste Singleauskopplung „Dein Lied„, die eine große H-Wort-Debatte mit sich zog, gewesen. Doch wenige Wochen später warfen Kraftklub alle Sorgen über Bord oder solle man sagen: aus dem „Fenster„?

Nicht nur war das Thema rund um Verschwörungstheoretiker und Wutbürger aktueller denn je, auch sorgten sie für einen wahnsinnigen Überraschungsmoment, als Sänger Karl im letzten Refrain plötzlich durch eine uns doch allen so bekannte Stimme abgelöst wurde: Farin Urlaub. Ein Farin-Feature ohne großartige Ankündigung, die kurze Unsicherheit, ob er’s wirklich ist – ihr Schlingel!

Vertraue keinem einzigen Wort in keiner Zeitung, die haben ihre Fakten, aber du hast deine Meinung.

Und sonst? Alles wie immer. Der ikonische Kraftklub-Sound, in den wir uns spätestens bei „Mit K“ verliebten und der sich auf „In Schwarz“ manifestiert hatte, findet bei „Keine Nacht Für Niemand“ wieder seinen Anklang. Lieber Altbewehrtes weiterführen, anstatt wie viele Kollegen wild herum zu experimentieren. Langweilig wird das Ganze nämlich gar nicht, ganz im Gegenteil.

Große Gefühle, eine aufrichtige Haltung, hier und da durchaus angebrachte Kritik oder die Antwort auf eine solche. „Keine Nacht Für Niemand“ ist keins dieser Alben, die mal x-mal hören muss, um sich mit ihnen anzufreunden. Tanz- & hüpfbar wie eh und je, eine Prise Kraftklub-Kitsch („Leben ruinieren„), charmante Seitenhiebe an Branche („Venus„) und Gesellschaft („Sklave„), Selbstironie („Band mit dem K„), die typischen Twentysomethingprobleme unserer Generation. Dinge, mit denen Kraftklub zu Beginn ihrer Karriere noch paradiesvogelartig in die hiesige Musikszene eintraten und sich heute, über 8 Jahre später, als eine der größten deutschen Bands betiteln dürfen.

Ein so famoses Feature wie das von Farin Urlaub hätte der Platte sicher schon genügt, keine Frage, doch Kraftklub legen im Verlauf des Albums lieber nochmal nach. „Am Ende“ ist nicht nur eine moderne Interpretation und Hommage an das wunderschöne Element Of Crime-Lied „Am Ende Denk Ich Immer Nur an Dich„, Frontsänger und Popliterat Sven Regener schaut für einen kurzen Refrain gleich höchstpersönlich vorbei und rundet den Song so kunstvoll ab.

„Doch ganz egal woran ich grade denke, am Ende denk ich immer nur an dich.“

Und dann wäre da noch „Chemie Chemie Ya“ zu erwähnen, einer der vielleicht besten Kraftklub-Songs jemals. Hier treffen Berlins wilde Techno-Drogenszene auf Chemnitz‘ melancholische Indie-Akustikgitarre und ungestillte Sehnsucht: „Und keine Nacht für Niemand, keine Nacht für mich, denn ich bin immer noch wach und warte nur auf dich. Ich komm‘ nicht mehr klar, nicht mehr klar mit Niemand, ich komm‘ nicht mehr klar, kommst du mit?“ Hach.

Zusammenfassend beweisen Felix, Steffen, Karl, Max und Till auch mit Album Nummer 3, warum sie eine wunderbare Lieblingsband, die Stimme unserer Generation und erfolgreich sein können. Wieder von 0 auf die #1, wieder zwei große ausverkaufte Touren, wieder umjubelte Festivalauftritte, wieder die Fünf aus Karl-Marx-Stadt, die nach wie vor so bodenständig wie kaum jemand sonst geblieben sind. Klingt pathetisch, ist aber so.

Unsere Texte, die Bibel einer Generation.“



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Philipp Gladsome

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