Ein Album, so gemütlich wie mein liebster Strickpulli mit dem perfekten Woll-Anteil. Nicht kratzig, dafür mit garantiertem Wohlfühlbefinden, sobald man hineinschlüpft. Und tatsächlich erschafft das dritte Tiny Ruins-Album solch ein Gefühl unwiderruflich. „Olympic Girls“ steckt voller Herzklopfen, gedachtfür die kleinen, unaufgeregten Momente.


Ein Artikel von Anna Fliege – Nach Hollie Fullbrooks berührendem Debüt „Some Were Meant For Sea“ (2011) und dem in nur wenigen Tagen entstandenen „Brightly Painted One“ (2014) war es an der Zeit, einmal durchzuatmen. Tief ein und wieder aus. Erst jetzt, ein halbes Jahrzehnt später, verleitet uns „Olympic Girls“ genau dazu. Den Stress einmal Stress sein lassen, lieber den neuen Geschichten der gebürtigen Engländerin aufmerksam zuhören.

Olympic Girls“ ist voll von ihnen. Der ideale Soundtrack für unter Bettdecken vergrabene Wintertage, an denen man die Welt um sich herum ausblenden und stattdessen ausschließlich Hollies sanfter Stimme lauschen mag. Bestimmt auch für sonntägliche Spaziergänge mit Sonnenschein, der uns Augen zusammenkneifen und Lippen in ein Lächeln formen lässt. Ein Zusammenspiel aus den lyrisch gesungenen Geschichten und der instrumentellen Tiefe und Vielschichtigkeit versammelt sich auf dem Album der neuseeländischen Band. Wer Künstlerinnen wie Laura Marling liebt, wird hier sein Glück finden.

„Lay your head in the lap of a girl,
you’ll never learn something,
if it isn’t taught well.

You’ll never find a thing,
if you can’t lose yourself every once in a while.“

Erst erweckten zwei Songs meine Aufmerksamkeit während des Hörens, stechen sie doch irgendwie noch aus dem Gesamtkonstrukt heraus. Und kurze Zeit später, mit Blick in die Tracklist auch durch ihre Namen: „Kore Waits in the Underground“ und „My Love Leda„. Hier vermischen sich moderne, hauchdünne Liebesanekdoten mit schwerer, griechischer Mythologie. Weil sich manche Dinge und Gefühle eben nie ändern werden, richtig?

Jede Sekunde des Albums klingt reichlich durchdacht, intelligent, nichts dem Zufall überlassen. Die Kunst, „Olympic Girls“ trotz dessen so unbeschwert und leichtfüßig zu vollenden, können sich Tiny Ruins besonders hoch anrechnen lassen. Ein wahrhaftiges Wohlfühl-Album, eins für die comfort zone, für die #metime. Am liebsten natürlich im Wollpulli, solange es noch kalt genug ist.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Ebony Lamb