Es ist einer dieser Herbsttage, an denen der Himmel blau, die Luft kalt und die Blätter golden sind. Um dieser Bilderbuchbeschreibung die Krone aufzusetzen, ist es auch einer dieser Herbsttage, an denen Tom Odell im Zuge seiner „Jubilee Road“-Tour zu Gast in Deutschland, genauer gesagt in Köln ist.


Ein Artikel von Anna FliegeTom Odell gehört zu der Sparte Künstler, die auf Platte wundervoll klingen, live aber ein ganz neues, anderes Erlebnis darbieten. Wer zum ersten Mal ein Konzert des britischen Sängers besucht, wird überrascht sein: statt sanftem Hotellobby-Klaviergeklimper und schluchtzenden Strophen ist Odell eine wahre Rampensau, der bereits während des zweiten Songs, „I Know“ von seinem Debütalbum“, seinen Klavierhocker im hohen Bogen über die Bühne schmeißt und im Stehen weiterspielt.

Für eine Tour, die den Namen „Jubilee Road“ trägt, beinhaltet die Setlist allerdings vergleichweise wenige Songs aus Tom neuem, gleichnamigen Album. Das schadet nicht der Qualität der Show, immerhin bringen sowohl „Long Way Down“ als auch „Wrong Crowd“ eine vielfältige Palette an Tracks mit, die sich in ihrer Live-Version noch einmal neu entfalten.

So auch Titelsong „Wrong Crowd„, der im Originalen eine beat-ige Tanznummer ist, von Tom live aber als Solostück auf dem Klavier neuinterpretiert wird. Auf das Pfeifen im Song verzichtet er allerdings nicht, schlägt sich mehr oder minder gut, lacht und fordert das Publikum auf, ihm zu helfen. Und so kommt es, dass ich das erste positive Pfeifkonzert meines Lebens erlebe.

„I’m sick of singing about my broken heart“

Auch sonst ist Odell charmant humorvoll, schweift in seinen Ansagen manchmal ab, bringt seine Gäste immer wieder herzlich zum Lachen – nur, um im nächsten Stück dann wieder einmal das E-Werk umgangssprachlich abzureißen. Auf besonders herzensbrecherische Balladen folgen beinahe schon rockige Nummern, irgendwann steht Odell nicht mehr am, sondern auf dem Piano, tanzt wild.

Bereits um 19:30 Uhr starteten Picture This aus Irland mit ihrer Supportshow und waren mindestens genauso überraschend – überraschend gut. Gitarrenlastige ruhigere Nummern treffen auf absolute Tanznummern wie ihre aktuelle Single „One Drink„. Hiermit spreche ich eine Empfehlung aus, die äußerst sympathische Band, die mit ordentlich viel Applaus beschenkt wurden, anzuhören. Im März sind sie dann wieder in Köln, dann aber auf ihrer eigenen Tour.

Alles in allem ist der Abend ein Spektakel. Natürlich spielt er „Another Love“ und natürlich singen alle mit, sowieso ist das Publikum am heutigen Abend äußerst klatsch- und singfreudig, wenn auch etwas steif in den Tanzbeinen. Verständlich, denn wer Tom Odell zum ersten Mal sieht, hatte sich sicherlich nicht auf einen so spektakulären Abend vorbereitet. Und wieder einmal wird klar: Tom Odell ist ein Artist, den man nicht verpassen sollte, wenn er sich in der Nähe befindet. Ein Konzert, das sich von vielem abhebt und in Erinnerung, aber auch im Herzen bleibt.


UNSER WORTWECHSEL MIT TOM ODELL

UNSERE REVIEW ZU „JUBILEE ROAD“



TOM ODELL live

22.01.2019 München – TonHalle


Autorin & Photocredit: Anna Fliege