Um das direkt klarzustellen: Tristan Brusch und sein langersehntes Debütalbum „Das Paradies“ rebellieren in den schillerndsten Farben, um nicht in eine Schublade gesteckt werden zu können.

Licht aus, Vorhang auf, Spotlight an. „Das Paradies“ ist weniger ein normatives Album als eine dieser modernen Theaterinszenierungen, die ein bisschen verrückter sind, als erwartet und den Konsumenten mit offenem Mund zurücklassen.

Und ich sage dir, ich bin diese eine, verbotene Tür. Es duftet nach Zuckerwatte, Rauch, verschüttetem Bier. Wenn du dich traust verschütt‘ ich mich dir.“

Mit „Zuckerwatte“ und „Karusell“ beginnt die Reise des Albums in pompös-glitzernden Chanson-Pop-Klängen. Die abrupte Rebellion, mit der jetzt gewiss niemand gerechnet hätte, kommt mit Track 3: „Trümmer„. Der pure Wahnsinn, dieser Stilbruch. Grad noch verschwenderische Phantasie, jetzt dramatisch-kritische Punkklänge. Sind wir hier noch auf dem selben Album?

Und ehe man sich versieht, befindet man sich mit „Ich lass dich nicht los“ mitten in den 80ern. Die Eighties-Disco-Thematik findet ihre Vollendung mit der Erwähnung von „Chiquitita“ – ABBA, ihr seid gegrüßt. Eine kugelrunde Sache. Sprachlich hält Tristan Brusch allerdings nicht so viel von der Nostalgie: hier ein Anglizismus, dort ein-zwei „gefickt„, willkommen in der Gegenwart.

Das Paradies“ ist ein wildes Genregemische und das macht richtig Spaß. Nie weiß man so genau, was einen als Nächstes erwarten wird. Und so chaotisch dies auch klingen mag, irgendwie harmoniert das Ganze in sich selbst so sehr. Mit balladesken Nummern schafft Tristan ein Gleichgewicht in der schrillen Kreativität.

„Hier kommt euer bester Freund, er kennt euch ganz genau, er bleibt euch immer treu, kommt ganz zum Schluss vorbei.“

Schon positiv-verrückt, was der gebürtige Ruhrpott-Junge da auf’s musikalische Parkett zaubert. Mit Maeckes produzierte er dessen Album „TILT„, erreichte damit einfach mal so Platz 14 in den deutschen Albumcharts und tourte mit dem Stuttgarter Rapper durch die Klubs des Landes. Nebenher kooperierte er noch mit Cro, der restlichen Die Orsons-Bande und Mine & Fatoni – Letztere begleitete er im letzten Winter auf ihrer „Alle Liebe Nachträglich„-Tour sogar als Support (wir berichteten: LINK). Und nun, nach einer bereits vielvesprechenden „Fisch„-EP vor 3 Jahren, ist es endlich da: „Das Paradies„.

Was noch nötig ist, um euch zu überzeugen. Nunja, wie wäre es mit Vergleichen? Diese „Ich lass mich nicht in eure Muster einordnen„-Attitude kennen und lieben wir von Künstlern wie Drangsal. Stilistisch bewegen wir uns ein bisschen bei Namen wie Falco und Bilderbuch – ohne Wiener Mundart natürlich, dafür mit dieser ironischen Überheblichkeit hier und da. Nüchtern gesehen lässt sich Tristan Brusch aber nicht so simpel vergleichen. Das hier ist einzigartig.

Eins ist glasklar: „Das Paradies“ ist ein Album außerhalb der Comfort Zone deutscher Musik.



TRISTAN BRUSCH – Festivaldates und die PARADIES TOUR 2018

15. – 17.06.18: MAIFIELD DERBY
09. – 11.08.18: HALDERN POP FESTIVAL
18.10.18: KÖLN, VEEDEL CLUB
19.10.18: HANNOVER, LUX
20.10.18: BREMEN, LAGERHAUS
22.10.18: DORTMUND, FZW CLUB
23.10.18: FRANKFURT, DAS BETT
24.10.18: NÜRNBERG, CLUB STEREO
25.10.18: MÜNCHEN, ZEHNER
26.10.18: STUTTGART, KELLERKLUB
27.10.18: HEIDELBERG, HALLE02
29.10.18: HAMBURG, NOCHTWACHE
30.10.18: BERLIN, MUSIK & FRIEDEN
31.10.18: LEIPZIG, NAUMANNS


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Ashley Armitage

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken