Die Band aus dem malerischen Husum, die graue Stadt am Meer, irgendwo in Nordfriesland. Turbostaat sind eine Konstante im Herzen Vieler, wobei die demographischen Schubladen dabei völlig wumpe sind. Nach 20 Jahren Bandgeschichte, in denen sechs Studioalben entstanden und unzählige, stets ausverkaufte Touren abgeklappert wurden, ist es heute soweit: ein Live-Album.


Ein Artikel von Anna Fliege – Es ist ihr erstes und es ist längst überfällig. Denn wer schon einmal das Glück hatte, ein Ticket für Turbostaat zu ergattern, weiß um die Energie, die Magie, das Turbostaat-Gefühl. Ob es der fünf-köpfigen Punkband aus Schleswig-Holstein gelungen ist, all das für ein und alle mal zu konservieren?

Aber hallo. „Nachtbrot„, so viel sei vorab gesagt, sorgt für Klöße im Hals und Schmetterlinge im Bauch. Auf 21 Tracks, eine feinste Auswahl der Turbostaat’schen Diskographie, erzählen Jan, Rollo, Tobert, Peter und Marten ihre Geschichten. Doch steckt dort viel mehr dahinter. Eigene Stories, Erinnerungen, Anekdoten, die sich an die vielen Songs heften. Menschen und Orte, Momente und Augenblicke. Höchst kompliziert und kryptisch, doch wunderschön und hier und da auch im alltäglichen Leben zitierbar sind die Texte, die Musik darunter vorantreibend, auffangend.

„Wir können alles
Und alles können wir sein“

Und „Nachtbrot“ fängt das Klubs- und kleine Schuppen-Feeling, mit dem sich die Band Jahr um Jahr treu geblieben ist, so schön ein. Natürlich könnten sie auch die vierstelligen Läden füllen, aber das wäre nicht das selbe. Das wird hier noch einmal deutlich, wenn man isoliert daheim sitzt und Herzklopfen bekommt, wenn die Konzertbesucher bereits die ersten Zeilen von „Rupert Grün“ leidenschaftsgetrieben mitgröhlt. Das hat was von Heimat, von Wohlgefühl und Glückseeligkeit.

„Vielleicht tut es doch weh und dann packt dich die Angst
Manchmal glaubt man beinahe selbst, dass das alles so gehört“

Umso schöner, dass Turbostaat sich im letztjährigen April endlich dazu aufrafften, ihr Meisterwerk, das zwar am Platte ein Traum ist, doch erst durch das Live-Gefühl so richtig zur Geltung kommt, für die Ewigkeit einzutuppern. Ein Live-Album, das nicht einen einzigen Moment, sondern abertausende festhält. Ein kurzes Durchatmen nach sechs Alben, ein „sich erden“ und mal kurz zwischenspeichern. Lang noch kein Ende in Sicht, nein. Hört man „Nachtbrot“ zu, so wird klar: das hier ist eigentlich erst der Anfang.

Ach Turbostaat, ihr seid super!

In ewiger Liebe.



TURBOSTAAT live

14.02.2019 Hamburg – Markthalle
16.02.2019 Jena – Kassablanca
19.02.2019 Köln – Gloria Theater
21.02.2019 Stuttgart – Universum
23.02.2019 Göttingen – MUSA
13.03.2019 Münster – Sputnikhalle
16.03.2019 Hannover – Faust
19.03.2019 Berlin – SO36
21.03.2019 Dresden – Beatpol
22.03.2019 Erlangen – E-Werk


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Andreas Hornhoff