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Two Door Cinema Club im Carlswerk Victoria: Dance like it’s 2010

Two Door Cinema Club im Carlswerk Victoria: Dance like it’s 2010

Womit startet man in ein neues Konzertjahrzehnt besser, als mit einer Band, die die Indiekids der 2010er maßgeblich geprägt hat? Two Door Cinema Club zeigten am Montagabend eindrucksvoll, wie man auch 10 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums und dem immer wieder prophezeiten Tod des Indierocks einen ganzen Laden zum eskalativen Tanzen bringen kann. 


Ein Artikel von Anna Fliege – Ein Blick in die Gesichter der anderen Besucher verrät mir, dass Two Door Cinema Club nicht nur für mich im letzten Jahrzehnt einen hohen Stellenwert hatten. Für einen Abend scheint im Carlswerk Viktoria die Sorgenlosigkeit vorzuherrschen. Es ist ein ungewöhnlich angenehmes Miteinander, strahlende Leute soweit das Auge reicht.

„But it’s hard to make sense out of the movie when you’re in the starring role“

Und weil der Abend nicht allein durch Two Door Cinema Club schon zu einem enorm guten geworden wäre, haben sie Circa Waves aus Liverpool im Gepäck. Für mich ein doppelter Lieblingsband-Abend also. Die britische Indie-Rock-Band sind gern gesehener Gast in Köln, erst im November spielten sie ein feuchtfröhliches Konzert einige Kilometer weiter im Arttheater (unser Bericht hier).

Heute ist die Bühne ein paar Nummern größer, die Energie des Vierergespanns dementsprechend. Eine Band, die häufig unter den Radar gerät und viel mehr Probs verdient hat. Neben Klassikern wie „T-Shirt Weather“ und „Fire That Burns“ geben sie auch ihre neue Single „Jacqueline“ zum Besten, die ich in unserem Interview (hier) bereits als DIE Festivalhymne 2020 auserkoren habe. Die Liveperformance bestätigt meine Vermutung nur.



„I want it all, don’t stop givin‘, I like the way you talk“

Als in der Pause zwischen den Auftritten „Lisztomania“ von Phoenix aus den Boxen dröhnt, kann sich keiner zusammenreißen, man summt oder singt an der Bar kollektiv vor sich hin. Ein Hauch von Nostalgie liegt in der Luft und nimmt uns wenig später völlig ein. Two Door Cinema Club betreten die Bühne, selbstbewusst wie nie zuvor: Sänger Alex Trimble macht den Rollkragenpulli rockstarfähig, rote Mikrofone leuchten auf der minimalistisch gehaltenen Bühne auf.

Sie eröffnen ihr Set mit „Talk„, einer ansteckenden Tanznummer ihres 2019er-Albums „False Alarm„. Um den Albumtitel visuell zu unterstreichen, entpuppen sich einige der Scheinwerfer während der Show als rote Sirenen. Eigentlich simpel, aber gestalterisch ein hammer Element! Obwohl das neuste Album Grund der Tour ist, halten sich die Songs des 4. TDCC-Longplayers auf der Setlist im Hintergrund.



„To the basement, people, to the basement“

Ein Problem ist das allerdings nicht. Ganz im Gegenteil. Das zeigt ohne Frage die Reaktion auf „Undercover Martyn„, einer der ersten großen Hits der Nordiren und Song Nummer 2 an diesem Abend. Hier weiß jeder ganz genau, wann nach wenigen Sekunden der Einsatz zum Klatschen kommt. Anfängliches Hin- und Hergewackel entwickelt sich innerhalb weniger Takte zu einer ausgelassenen Eskalation. Und so geht es das ganze Konzert lang, dominieren die Songs des Debüts „Tourist History“ doch vornehmlich die Setlist. Dance like it’s 2010.

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Two Door Cinema Club liefern ab, als gäbe es kein Morgen mehr. Zwar wortkarg in den Pausen, dafür umso euphorischer in den Songs. Nach so vielen Jahren ist es schön zu sehen, wie sicher Alex, Gitarrist Sam und Bassist Kevin geworden sind.

Für einen Abend stecken sie uns in eine Zeitmaschine, lassen uns ausgelassen tanzen und vergessen, das eigentlich Montag ist. Ein Konzert, dass meine Erwartungen als jahrelanger Fan um Weiten übertroffen hat und zum Fazit führt, sobald wie möglich wieder zu einem TDCC-Konzert gehen zu müssen.



Autorin & Fotocredit: Anna Fliege

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