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Überraschung! Heisskalt und Idylle

Überraschung! Heisskalt und Idylle


Wer in der deutschen Alternative-Szene unterwegs ist wird sicherlich mal über den Namen der Band Heisskalt gestolpert sein. 2 Jahre nach Veröffentlichung des letzten Albums Vom Wissen und Wollen haben Heisskalt klammheimlich am 23.5.2018 ihr neues Album Idylle veröffentlicht. Hier scheint vieles neu zu sein: die Band hat sich entschlossen das Album komplett ohne Label, Vertrieb oder Promo-Team zu veröffentlichen, ganz nach dem Motto “do it yourself”. Ungewöhnlich, das trifft auf das neue Album zu.

“Ich wäre gerne frei in meinem Denken, stell dir einmal vor was ich dann kann”

Getreu diesem Motto scheint das Album zu sein: schon allein der Titel des Albums hebt sich von den vorherigen ab. Wo es früher noch Vom Wissen und Wollen oder Vom Stehen und Fallen hieß, trägt das neue Album den nahezu minimalistischen Namen Idylle. Auch insgesamt ist der Sound bei Idylle anders als bei seinen Vorgängern: er wirkt ruhiger, aber zum Teil auch punkiger. Gerade Herbstlied scheint beim ersten Hören kein typischer Heisskalt Song zu sein, dennoch verkörpert er doch die Band, während Idylle, Namensgeber des Titels, ungewöhnlich ruhig klingt. Der Song scheint als würde jede Sekunde gleich der große Break kommen, wirkt tatsächlich durch die Gitarren etwas nervös. Nervös, endlich loslegen zu können und gebändigt, zurückgehalten durch die Drums. Minimalistische Arrangements prägen beide Songs, ungewohnt bei Heisskalt, und definitiv etwas woran man sich gewöhnen muss wenn man sonst etwas mehr Wums gewohnt ist.

Absolutes Kontrastprogramm zu den beiden bietet dafür der Song Fest. Wer jetzt denkt hier kommt das was man von Heisskalt kennt: falsch gedacht! Gerade im Pre-Chorus überraschen die Gitarren-Riffs die verzogen klingen und doch so gut passen, nur um dann weiter im Tempo der Strophe zu übergehen. Immer einen kleinen Schritt voraus, das beweist der Song dann genau noch einmal nach dem Break: unerwartet und mit ordentlich Karacho geht es weiter und so endet er auch. Auch wenn Idylle als Album minimalistischer klingen mag, so ist es stellenweise auch härter. So wie Fest endet, beginnt Du denkst ich lächle dich an doch mich blendet die Sonne. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Songs wirkt dieser laut, knüpft an Songs der Vorgänger Alben an. Absolutes Highlight von Idylle: Wie Sterne. Zwar kommen hier auch neue Elemente ins Sound-Arrangement dazu, aber dennoch vereint und beschreibt der Song Idylle perfekt: ein bisschen Neues, ein bisschen Altes.

Auch wenn Idylle anders als die Vorgänger ist, so beweisen Heisskalt mal wieder, dass sie genau wissen wie gutes Songwriting geht. Trotz minimalistischem Sounds klingen die Songs härter und sogar noch punkiger als zuvor. Zwar mag das Ganze zu Anfang etwas ungewohnt erscheinen, aber je öfter man reinhört und sich auf die Songs einlässt, so erscheint Idylle sinnig. Dieses Album spielt mit unseren Erwartungen, durchkreuzt sie und erfüllt sie dann in Momenten in denen wir nicht mehr geglaubt hätten, dass sie doch noch wahr werden. Gerade durch das Unvorhergesehene schlagen die Jungs uns ein Schnippchen, lassen uns als Zuhörer gerne zappeln nur um uns dann eine musikalische Backpfeife zu geben. Da bleibt nur eins zu sagen: wir wollen bitte mehr davon!

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Autorin: Carolin Czarnecki Foto: Heisskalt Facebook (Link)

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