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Vampire Weekend & „Father of the Bride“: Indie’s not dead

Vampire Weekend & „Father of the Bride“: Indie’s not dead

Seien wir mal ehrlich, mein Lieblingsgenre „Indie“ hatte im letzten Jahrzehnt nicht die einfachste Zeit. Vom Thron gestoßen durch Plastik-Pop und EDM wird die heutige Musikwelt vorrangig von Rap und R&B beherrscht. Allerdings wird es 2019 endlich mal wieder Zeit für ein Vampire Weekend-Album.

Ein Artikel von Anna Fliege – So wirklich konnte ich es ja auch erst einmal nicht glauben, aber Vampire Weekend sind wirklich zurück. „Father of the Bride“ heißt es und beinhaltet 18 Songs. Ein ganz schönes Brett aber auch eine nette Entschuldigung für die lange Funkstille.

Seit „Modern Vampires of the City“ 2013 erschien und sicherlich nicht nur mich mit einem viel zu hartnäckigen „Unbelievers„-Ohrwurm zurückließ, ist einiges passiert. Keyboarder Rostam Batmanglij gab seinen Abschied bekannt, Bassist Chris Baio veröffentlichte 2015 ein wirklich grandioses Soloalbum, Chris Tomson tat es im zwei Jahre später nach. Und Mastermind Erzra Koenig? Ach, der begann nur seine eigene Radioshow „Time Crisis„, schrieb und produzierte eine Netflix-Anime-Serie namens „Neo Yokio“ und beteiligte sich an Beyoncés „Lemonade„.



Das ist erst einmal nicht die schlimmste Ausgangssituation. Zumal Batmanglij als Co-Producer der Single „Harmony Hall“ in den Credits zu finden ist. Doch nicht nur das New Yorker Neu-Trio hat sich für Album Nummer 4 wieder zusammengeschlossen, sondern sich obendrein noch die ein oder andere famose Musikerpersönlichkeit ins Boot geholt. Präsent dabei ist besonders Danielle Haim, Frontfrau der Schwesternband HAIM und eine begnadete Sängerin und Gitarristin. Gleich auf 5 der 18 Songs ist sie als Feature oder prägnante Backvocal-Stimme zu hören. Auch Steve Lacy, seines Zeichens The Internet-Gitarrist, der sich nicht nur an „DAMN.“ von Kendrick Lamar, sondern auch an der kompletten Produktion von Mac Millers letztem Album „Swimming“ im letzten Jahr beteiligte. Und weil das noch nicht genug High Class-Kollegen sind, entdeckt man bei dem Song „This Life“ zudem noch Mark Ronson.

Der Umschwung der Musik und die zum Teil intensive Arbeit der Beteiligten an Hip Hop-Projekten bleibt auf „Father of the Bride“ nicht unerkannt. So beginnt der kurze Track „Bambina“ zwar wie ein Vampire Weekend-Song aus dem Bilderbuch, doch schon bald verzerrt sich Ezra Koenigs Stimme mit Autotune und trifft damit den Nerv der Zeit – irgendwie. Sicherlich sind die New Yorker nicht die erste Indie-Band, die zu einem solchen Stilmittel greifen (The 1975 machten das ja auch erst kürzlich), aber seltsam ist es ja trotzdem.


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Ansonsten ist es schwierig, einzelne Songs rauszupicken, denn es gibt schlichtweg viel zu viele. „Father of the Bride“ ist ein Album, dass man zu Beginn fröhlich durchskippt, sich irgendwann einmal die Zeit nimmt, es mehrfach komplett durchzuhören und am Ende mit einer Hand voll Lieblinge glücklich zurückbleibt. Sicherlich könnte sich „This Life“ in die Reihen von „A-Punk„, „Oxford Comma“ und „Cape Cod Kwassa Kwassa“ einfügen, so zugänglich ist der Track.

Fakt ist, dass Vampire Weekend zurück sind – und wie. Dass Ezra Koenig ein Genie ist, wussten wir bereits zu Beginn des Jahrzehnts, aber nun zum Ende hin ruft er es allen noch einmal in Erinnerung. „Father of the Bride“ ist eine hochqualitative, kreative und verspielte Produktion, bei der man gerne mal hinter die Kulissen geschaut hätte. Jeder Song ist aus so vielen Kleinstteilen zusammengepflegt und ergibt den Vampire Weekend-typischen laissez-faire-Vibe, nach dem wir uns so lange gesehnt haben. Der Sommer kann kommen, wir sind vorbereitet!


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Monika Mogi

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