Nicht nur ihr Musikstil erinnert an das britische Duo Royal Blood, sondern auch das Bandkonzept: Van Holzen sind davon überzeugt, dass es nicht mehr als drei Leute für ihre musikalische Vision braucht. Und sie schaffen es zu dritt, unglaublich tiefe Klangwelten zu kreieren, die nach großen, ausverkauften Hallen schreien.

Ein Artikel von Maren Schüller – Zwei Jahre ist die Veröffentlichung ihres Debütalbums „Anomalie“ schon her. In der Zwischenzeit haben sich die mittlerweile volljährigen Ulmer ein Rockstar-Leben wie aus dem Bilderbuch aufgebaut. Die Band tourte durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, spielte auf  unzähligen Festivals (u.a. auf dem Sziget in Budapest) und zierte das Cover des VISIONS Magazins. Für viele gelten Van Holzen nun als die große Hoffnung des deutschen Alternative Rock. Und jetzt, mit ihrem zweiten Album „Regen“ via Warner Music, werden die Erwartungshaltungen größer und die Zuhörer aufmerksamer. Ob sie dem Druck standhalten und wieder kompromisslos abliefern?

„Ich und meine Freunde haben Angst, weil jeder von uns alles haben kannIch glaube nicht daran.“



Schon auf ihrem Debüt „Anomalie“ beeindruckten sie mit klugen Texten und verdrehten Bedeutungen. Das wird auf dem Nachfolger „Regen“ ganz gekonnt weitergeführt. Bereits der erste Song „Alle meine Freunde“ lebt von schonungsloser Ehrlichkeit. Die Band erzählt von Zukunftsängsten, die aktueller nicht sein könnten: Junge Menschen aus stabilen Verhältnissen sind so überprivilegiert, dass niemand mehr so richtig weiß, wohin mit sich. Die Qual der Wahl als ernstzunehmendes Problem.

Texte wie „Forderungen überfordern uns / Verantwortung schwächt uns“ erinnern schnell an das Klischeedenken über die sogenannte Generation Y, dass die jungen Menschen von heute nicht mehr fähig seien, Entscheidungen zu treffen und alltägliche Probleme zu bewältigen. Mit Van Holzen gibt es nun jedoch zumindest eine minimale Chance, verbitterten Menschen gehobenen Alters zu zeigen, dass diese Ansicht falsch ist. Es geht viel mehr um die Veränderung des Arbeitsmarkts und deren Folgen, und wahrscheinlich beschäftigen sich diese „orientierungslosen, faulen Internetkinder“ mit komplexeren Fragen und Zusammenhängen als die ach so allwissende Elterngeneration unserer Zeit.

Spätestens bei dem Song „Schwimmen“ sollte jedem klar werden, dass die drei Jungs aus Ulm genau reflektieren, was um sie herum passiert:


„Ich hab das so gelernt, keine Ahnung ob es wahr ist,  schwimme mit und ertrinke mit. So wurde es erzählt, so lässt man uns dran glauben, schwimme mit und ertrinke mit“


Apropos Wasser: Gerade der Titeltrack „Regen“, der schon vor einer Woche als Vorgeschmack inklusive gewohnt düsterem Musikvideo veröffentlicht wurde, klingt jetzt schon wie ein Song, der in 20 Jahren in „Van Holzen Best of“-Playlists nicht fehlen darf. Wenn mit „Und alle stehen im Regen“ der Refrain zum ersten Mal erklingt, entsteht sofort ein Kopfkino: Festival, Matsch, Mitschreien.

Weniger Aggressivität, mehr Diversität

Obwohl die Band bei vielen Songs wieder auf frontale Riffs, Mitnicken und Moshpits setzt, lassen sie immer noch Platz für musikalische Ausflüge. Mit „s/w“ liefern sie einen besonders düsteren und atmosphärischen Song. Vor allem aber der Song „Irgendwas“ wird wohl Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Man meint fast, man hätte sich verhört, als Sänger Florian anfängt zu singen. Dadurch, wie er singt, kann man ihn fast mit dem Bilderbuch Sänger Maurice Ernst verwechseln. Gesanglich eine große Portion Charakterstärke, textlich serviert mit Selbstzweifeln: Das ist eine Art Offenheit, die gefühlt gerade erst so richtig aufblüht.

Es gibt viele Adjektive, mit denen man dieses Album beschreiben könnte – langweilig gehört definitiv nicht dazu. Van Holzen beweisen auf „Regen“ wie stark sie sich in den letzten zwei Jahren entwickelt haben und erfüllen damit definitiv die Hoffnungen im deutschen Alternative Rock.

Wer würde denn nicht gerne mit ihnen im Regen stehen?



FESTIVALS
15.06.2019 Rock am Berg, Merkes
12.07.2019 Talge Open Air, Talge
13.07.2019 Happiness Festival, Straubenhardt
16.08.2019 Stemmweder Open Air, Stemmwede
24.08.2019 Karben Open Air, Karben

„REGEN“-TOUR
01.11.2019 Bonn, Bla
02.11.2019 Marburg, KFZ
03.11.2019 Düsseldorf, The Tube
05.11.2019 Hannover, Lux
06.11.2019 Hamburg, Nochtwache
07.11.2019 Bremen, Tower
08.11.2019 Lingen, Alter Schlachthof
09.11.2019 Münster, Gleis 22
10.11.2019 Braunschweig, B58
12.11.2019 Leipzig, Naumanns
13.11.2019 Dresden, Beatpol
15.11.2019 Berlin, Musik & Frieden
16.11.2019 Koblenz, Circus Maximus
17.11.2019 Trier, Lucky’s Luke
20.11.2019 Wiesbaden, Kesselhaus / Schlachthof
21.11.2019 Würzburg, B-Hof
22.11.2019 Nürnberg, Club Stereo
23.11.2019 Wien (AT), Arena
26.11.2019 Zürich (CH), Dynamo Werk 21
28.11.2019 München, Feierwerk / Kranhalle
29.11.2019 Konstanz, Kula
30.11.2019 Stuttgart, ClubCANN


Autorin: Maren Schüller / Photocredit: Ilkay Karakurt