Würde man meine Kollegen fragen, wäre LUI HILL‘s selbstbetiteltes Debütalbum genau aus der Kategorie „Musik für Dominik“, die irgendwie ungeschrieben in der Redaktion vorherrscht. Ungeniert gebe ich zu, dass dieses Album wenig überraschend sehr meinen Geschmack trifft.

Wie ich bereits in früheren Reviews erwähnte, vermitteln mir selbstbetitelte Alben immer eine überzeugende Selbstsicherheit. Wer würde denn seinem Album den eigenen Namen geben, um dann in 10 Jahren sagen zu müssen „War vielleicht nicht meine beste Arbeit.“ Doch an dieser Stelle muss sich LUI HILL keine Gedanken machen. Das Werk ist so überzeugend, dass es vor zehn Jahren ebenso modern und zeitlos gewesen wäre wie heute. Eine Rarität, schaut man sich den überfluteten Markt an, den der Mainstream beherrscht.

„stop hurt yourself by being a hopeless believer“

In nur 11 Songs findet man sich auf einem Zeitstrahl einer emotionalen Achterbahnfahrt wieder. LUI HILL öffnet den Weg zur Selbsterkenntnis. Wer könnte besser über das Leben und seine Tücken schreiben, als jemand, der scheinbar am Abgrund gestanden hat, nur um dann wie der Phoenix aus der Asche empor zu steigen. Lässt man sich auf das Album ein, erlebt man eine wunderbare Wendung getrieben von inneren Konflikten und dem steten Bestreben, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

In LUI HILLs Album stehen sich Nähe und Distanz spürbar gegenüber. Es ist ein Album voller persönlicher Erlebnisse, tiefgreifend und augenöffnend. *Nach einer Reihe unseliger Ereignisse, einer nagenden Verbitterung durch den Zusammenbruch seiner Beziehung, einer nicht erfüllenden Zusammenarbeit mit einer Plattenfirma, versetzte ihn schließlich der Tod seines Vaters – dem Herz seiner Familie, welchem er einen wichtigen Blickwinkel aufs Leben verdankt – in eine Schockstarre, inklusive temporärem Hörsturz.

„it took a long way to feel the sun and the warmth again“

HILL ist jedoch nicht hoffnungslos naiv und so ist der melancholische Tonus seines Debüts dem Fakt geschuldet, dass man sich seinen Problemen nicht einfach durch Flucht entwinden kann. „Probleme finden dich, egal an welch ungewöhnlichen Orten du dich versteckst“, fügt er hinzu. „Ich glaube nicht, dass Reisende versuchen, sich vor ihrer selbst zu verstecken. Ich behaupte, dass es hilft, zu einem selbst zu finden. Schafft man Entfernung, kommt man näher an den Kern der Dinge.

Stimmlich könnte LUI der Band Imagine Dragons entsprungen sein. Diese Harmonien und Stimmfarbe sind einfach zu ähnlich, als dass ich den Vergleich zu Dan Reynolds nicht unerwähnt lassen möchte. Doch ich schätze diesen weltgewandten und erfahrenen Musiker als eigenständigen Künstler, der so viel zu geben hat. Er ist ein Zufallsentdeckung der Filter Group. So war Founder und A&R Tobias Herder beruflich in Südafrika unterwegs und stieß dort auf HILL. Ein Glücksgriff und vielleicht einmal mehr die schicksalhafte Wendung, die es manchmal braucht. Das Leben schreibt eben doch die besten Geschichten.

Für Fans von: FYE & FENNEK, KLAN, SIND, Leoniden


LUI HILL Live

02.10.18 Musik Und Frieden, Berlin
04.10.18 Harken, Hamburg
12.10.18 Ampere, München
16.10.18 Stereo Club, Nürnberg
17.10.18 MTC, Köln
19.10.18 Staatstheater, Darmstadt
21.10.18 Groove Station, Dresden



Autor: Dominik Huttner Foto: Simon Hegenberg *Quelle: Verstärker