Nach einer ausgedehnten Welttournee und unzähligen Festivalauftritten, darunter das Lollapalooza Berlin, kehrten Wolf Alice nun, kurz vor Weihnachten, zum Glück noch einmal für drei Konzerte nach Deutschland zurück. Am gestrigen Abend stand das Gebäude 9 in Köln auf dem Tourplan. Nur so viel: es war wunderschön!


Ein Artikel von Anna Fliege – Hinter dem Londoner Vierergespann liegt ein aufregendes Jahr. Nachdem sie im Herbst 2017 ihr zweites Album „Visions of a Life“ veröffentlichten und damit in so gut wie allen „Albums of the Year“-Listen landeten, verewigte sich dieser Status rund 12 Monate später mit dem Gewinn des renommierten Mercury Prize.

Ich höre mich „das ist die perfekte Location für sie“ sagen, als ich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder einmal die kleine Konzertlocation in Köln-Deutz unweit des Messegeländes betrete. Abgerockter Industrieschick könnte man es nennen. Der kleine Raum ist bis zur hintersten Ecke gefüllt, das Publikum ein wilder Mix aus Generationen.

Die Supportband aus New York ist, nunja wie soll man sagen, speziell. Surfbort heißen sie, machen astreinen East Coast-Punk und bleiben definitiv länger im Gedächtnis. Sängerin Dani Miller ist eine schrille Rampensau, die man nach kurzer Irritation irgendwie ins Herz schließt. Mit Songs wie „Les Be In Love“, „Hippie Vomit Inhaler“ und „Pretty little fucker“, die allesamt nie länger als 2 Minuten gehen, bilden sich immer wieder kleine Moshpits und irgendwann springt die Frontfrau mit den leuchtend roten Nägeln, die man bis in die letzte Reihe wahrnimmt, selbst hinein. Definitiv ein Erlebnis!

Den Beginn von Wolf Alice wenig später kann ich nicht anders als EPISCH bezeichnen. Ich habe schon viele Bands gesehen, die eine Art „Einlauf“-Musik hatten, doch noch nie wählte jemand das Harry Potter-Theme. Mit dem Betreten der Bühne nimmt die Band den Raum für die nächsten rund 1 1/2 Stunden völlig ein.

Jeder scheint bezaubernd zu sein von Sängerin Ellie Rowsell, wie sie mit ihrer engelsgleichen Stimme im einen Moment herzensbrecherische Balladen singt und im nächsten Takt in eine rotzige Punk-Attitüde verfällt. Die Setlist des Abends ist dahingehend ausgeglichen, es wird mal lauter und auffordernder wie bei „Yuk Foo“ und „You’re a Gem“, tanzbar mit „Beautiful Unconventional“ und „Moaning Lisa Smile“ und dann wieder zart und verträumt mit „Sky Musings“.Lieblingssong „Don’t Delete the Kisses“ darf natürlich auch nicht verlieren.

Manche Gruppen in der Menge tanzen unbeschwert, doch viele stehen einfach nur da und genießen den Moment. Was auf den Außenstehenden vielleicht langweilig erscheinen mag, fühlt sich in diesem Raum zu diesem Zeitpunkt mehr als richtig an. Es ist verrückt, was für eine große Atmosphäre die vier Briten auf die Bühne zaubern. Wenn man die Augen schließt und nur der Musik lauscht, vergisst man für einige Zeit, wo man gerade eigentlich ist.

Beim Verlassen des Gebäude 9 ist das Lächeln im Gesicht etwas größer, das Herz wärmer und der Drang, Wolf Alice so schnell wie möglich wieder zu sehen, kaum zu bändigen.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Lisa Schulz