Mit seinem selbstbetitelten Debütalbum eroberte Marius Lauber aka ROOSEVELT bereits etliche Herzen und Länder. Mit seinem neuen Album „Young Romance„, welches Ende September erschien, manifestiert der gebührtige Viersener seinen Status als Ausnahmetalent nur noch einmal mehr.

Im Wortwechsel erzählte uns Marius von seinen Erlebnissen der letzten Jahren, die Herangehensweise an sein neues Album und wie man eigentlich dazu kommt, Remixe für Bands wie CHVRCHES oder Glass Animals produziert.


In den letzten Jahren hast du die ganze Welt bereist – würdest du Köln und dein Studio als dein „Zuhause“ bezeichnen? Was hält dich hier?

Marius: Auf jeden Fall! Trotz einer gewissen Hassliebe zu Köln, fällt es mir leicht, mich hier zu Hause zu fühlen. Gerade weil es so unspektakulär ist, und man nicht sich nicht fühlt, als würde man auf einem Festival herumlaufen, gefällt es mir hier weiterhin.

Zurückblickend: Wie hast du die Zeit nach dem Release deines Debüts erlebt? Kannst du da spezielle Highlights benennen?

Marius: Wir sind viel getourt und haben einige Orte gesehen. Sind zum ersten mal durch Amerika, aber auch Rumänien, Ungarn und Tschechien getourt. Das Highlight war wahrscheinlich unsere Show im Paradiso in Amsterdam. Da habe ich zwar irgendwann mal im Club gespielt, aber jetzt haben wir ein ausverkauftes Konzert in der großen Halle gespielt.. was mir bis heute immer noch surreal erscheint.

Du warst bzw. bist lange Schlagzeuger und DJ – war das eine große Veränderung, plötzlich vorn am Mikro und im Mittelpunkt zu stehen?

Marius: Die Aufmerksamkeit als Sänger ist dann doch eine andere, sowohl als Schlagzeuger, als auch als DJ, kann man sich auf eine gewisse Art und Weise verstecken – das ist so als Frontmann und Sänger nicht mehr möglich. Aber das genieße ich gleichzeitig auch – ich fühle mich immer wohler in der Rolle und lerne damit zu spielen.

In einem Interview zum Debütalbum hast du erzählt, dass du das Album damals ohne klares Ziel angegangen bist – war das bei „Young Romance“ wieder so?

Marius: Ja, tatsächlich. Ich kann zwar im Nachhinein analysieren, was mich vielleicht zu bestimmten Sounds oder Texten geführt hat – im Studio ist es aber alles sehr impulsiv und so natürlich wie möglich.

Worin steckt die Veränderung und Entwicklung von „Roosevelt“ zu „Young Romance“?

Marius: Für mich fühlt es sich in vielen verschiedenen Ebenen so an als wäre ich etwas aus meiner Komfortzone rausgekommen – sowohl klanglich, textlich, als auch visuell. Da, wo ich mich beim ersten Album noch hinter Nebelschwaden versteckt habe, sind jetzt viele Sachen präziser geworden. Es hat also auch gepasst, mich visuell eher „im Tageslicht“ zu zeigen, wenn ich vor 2 Jahren vielleicht noch ausschließlich im künstlichen Neon-Licht zu sehen war.

Ist der Druck nach dem Debüt eigentlich höher?

Marius: So hat es sich für mich auf jeden Fall nicht angefühlt – das hat aber wohl damit zu tun, dass schon vor meinem ersten Album hohe Erwartungen da waren, weil ich damals schon 2 EPs draußen hatte. Von daher hat sich in meiner Wahrnehmung nicht viel geändert.

Mit einem nicht-selbstbetitelten Album darf die Frage nach der Bedeutung hinter dem Titel natürlich nicht fehlen. Was steckt hinter „Young Romance“?

Marius: Der Name kam zustande durch einen Kommentar eines Freundes, der anmerkte, dass die neuen Demos sehr romantisch klingen. Das fand ich erst ziemlich witzig, habe es dann irgendwann in den Arbeitstitel Young Romance umgewandelt.. Doch nachdem immer mehr Songs fertig waren, habe ich gemerkt, dass der Titel total gut passt: Die Songs sind thematisch klassische Coming-of-Age Songs, voll von Sehnsucht, Aufbruchsstimmung, Eskapismus.. und so hat der Titel wie die Faust aufs Auge gepasst.

Die Singleauskopplung „Forgive“ enthält ein Feature mit Washed Out. Wie kam es dazu? Wieso gerade Washed Out?

Marius: Ich bin schon lange Fan von Ernest und seiner Musik, und habe ihm irgendwann eine Mail geschrieben. Zu meiner Überraschung kannte er meine Musik und sagte dass er sie oft bei DJ Sets spielt. So kam eins zum anderen, und er hat sehr spontan Vocal Takes für ein Instrumental von mir aufgenommen. Den Track habe ich danach noch etwas verändert und auf seine Stimme angepasst, aber das ganze war sehr schnell fertig, und eine sehr besondere Erfahrung für mich.. Immerhin war es das erste Mal dass ich mit einem anderen Sänger zusammengearbeitet habe.

Du produzierst ja nicht nur richtig gute Alben, sondern auch Remixe für andere Bands. Wie läuft der Prozess eigentlich ab? Kommen die Bands auf dich zu oder anders herum?

Marius: Das ist ganz unterschiedlich. Bei einer Band wie Chvrches oder Rhye kriege ich eine ganz normale Anfrage von dem Label der jeweiligen Künstler – da weiß man oft auch nicht ob das Label oder der Künstler das ganze veranlasst hat. Bei meinen Remixen für zum Beispiel COMA oder Woman, war es aber eher eine gemeinsame Idee, da ich einen persönlichen Bezug zu diesen Bands habe.

Glaubst du, dass du deinen Platz in der Musikwelt jetzt gefunden hast und angekommen bist? Oder geht die Reise immer weiter, auch ohne klares nächstes Ziel?

Marius: Das Gefühl, dass ich meinen Platz gefunden habe, hatte ich eigentlich schon vor 3-4 Jahren, als ich angefangen habe, konstant Konzerte zu spielen, und im Studio immer mehr Songs aufzunehmen. Das soll aber nicht heißen, dass die Reise nicht weitergeht.. Gerade weil man weiß, dass man genau das macht, wovon man sehr lange geträumt hat, fordert einen ja, an seine Limits zu gehen, sich weiterzuentwickeln, und sich immer neue Ziele zu setzen.


ROOSEVELT live

22.10.2018: Hamburg – Docks
23.10.2018: Köln – Live Music Hall
24.10.2018: Berlin – Astra
25.10.2018: München – Muffathalle



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: David East