Goethe? Schiller? Lessing? Wer, wenn er Deutschpoeten hört an die längst verstorbenen Dichter denkt, ist hier falsch.

Das 2-Tages-Festival ist ganz kontemporären Musikmachern und Wortejonglierern gewidmet. Das bereits zum 9. Mal stattfindende Event hat sich längst zu einer Mussveranstaltung von Liebhabern deutscher Musik mit guten Texten etabliert. „Und als ich die deutsche Sprache vernahm, da ward mir gar seltsam zumute; ich meinte nicht anders, als ob das Herz, Recht angenehm verblute.“, sagt auch schon Heinrich Heine.

Zum wiederholten Mal rief der IFA Sommergarten in Berlin Musikfans am ersten Septemberwochenende zu sich. Ein OpenAir Veranstaltungsort, wie er schöner fast nicht sein könnte. Eine Bühne umrundet von Gras und Blumen. Wer von außen auf den eher kalten Betonblock starrt, könnte fast nicht glauben was für ein Paradies sich inmitten dessen befindet.

Als ob der heiße, viel zu trockene Sommer keine Auswirkung hatte, scheint hier das Gras ein bisschen mehr zu grünen und die Blumen ein bisschen mehr zu blühen. Auch beim Wetter scheint das Memo angekommen zu sein: Während es Donnerstag und Sonntag grau war und regnete, blieb es während des gesamt Events trocken und war größtenteils sogar warm und sonnig. Allein das war eine schon fast perfekte Grundlage für ein Festival, das gute Laune verspricht. Das Publikum wusste das auch zu schätzen. Mit Picknickdecken und Sonnenbrillen bewaffnet trudelten die ersten Besucher Freitagnachmittag langsam ein.

Mit nur 3 Acts am ersten Tag – nämlich Megaloh, Bausa und Kontra K – war dies klar der Aufwärmtag und auch stärker an eine bestimmte Zielgruppe gerichtet. Das Motto des Tages war definitiv Deutschrap. Durch Megaloh, der schon recht lange im Rap unterwegs ist, Bausa, einem aktuell sehr relevanten Künstler mit mehreren Nummer-Eins-Hits und Kontra K, der auch schon länger extrem beliebt ist, hatte aber auch der Auftakttag ein durchaus starkes Line Up aufzuweisen.

Der Samstag begann ein paar Stunden eher. Pünktlich um Mittag war Einlass, der erste Act war für 14:00 Uhr angesetzt. Auch am zweiten Tag ließen sich die Besucher Zeit, was schade war, da viele so die ersten beiden Acts Fibel und Brett verpassten. Wer aber pünktlich da war, hatte das Glück zwei zwar (noch) relativ unbekannte Bands spielen zu sehen, die beide großes Potential aufweisen. Bei Fibel handelt es sich um eine Post-Wave-Band aus Mannheim und bei Brett um die wie so anmoderierte „Hamburger Antwort auf die Foo Fighters“. Danach heizte Eunique, der leider einzige weibliche Act des Wochenendes, dem Publikum ordentlich ein. An dieser Stelle Hut ab an sie, nicht viele könnten so rappen und gleichzeitig so eine Performance hinlegen.

Auf Eunique folgte kein geringerer als der König von Köpenick höchstpersönlich, Seine Majestät Romano. Mit seinen Ohrwurmalarm-Liedern gelang es ihm auch, den bis dahin noch eher zurückhaltenderen Zuhörern den ein oder anderen Dancemove zu entlocken. Bei Joris wurden dann die Stimmbänder auf ihre Funktion überprüft und vor allem der Lautstärke mit der „Herz über Kopf“ mitgesungen wurde nach zu urteilen, funktionieren diese bei dem Großteil hervorragend.

Dann kam es auch schon zu den beiden letzten Künstlern, Clueso und SDP, die beide ein ganzes Set spielten. Clueso spielte auch ganz spontan ein Lied, das sich ein Fan aus dem Publikum wünschte, obwohl es eigentlich gar nicht auf der Setlist stand. Wenn das nicht wahre Liebe für seine Fans ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Auch generell war während Cluesos Set so viel Liebe in der Luft, man hätte sie fast greifen können.

Als krönender Abschluss war es dann Zeit für SDP, der Band, für die zahlreiche Fans schon den ganzen Tag in der ersten Reihe warteten. Und sie wurden nicht enttäuscht, von der ersten Sekunde an brachten die beiden Jungs eine enorme Energie in den Sommergarten, bevor das Fritz Deutschpoeten mit einem Feuerwerk verabschiedet wurde.

Alles in allem ist das Deutschpoeten Festival nur zu empfehlen. Kaum ein anderes Festival hat so eine entspannte Atmosphäre in einer so schönen Location. Auch sonst verlief alles reibungslos, es kam nie zu größeren Schlangen, weder beim Eingang noch bei den Toiletten.

Was außerdem besonders schön ist, dadurch, dass es nur eine Bühne gibt, teilen sich alle Künstler eine Bühne, egal wie bekannt oder unbekannt. Viele der Moderatoren und Künstlern sprachen sich auch offen gegen Rassismus und Nazis aus, Fritz Deutschpoeten ist und bleibt ein Festival der Liebe.

An dieser Stelle danke für das schöne Festival, liebe Fritzen! Bleibt genauso wie ihr seid.


Autorin und Foto: Theresa Liebl