Das sehnsüchtige Warten hatte am gestrigen Abend ein Ende. Das Kölner Publikum durfte um kurz nach 21 Uhr in eine ferne Welt abtauchen. Frenetisches Jubeln, als das Licht im Inneren Palladium erlischt, die übergroße Leinwand anfängt zu glühen: Willkommen in Palo Santo, dem Phantasieort des zweiten Years & Years-Albums.


Ein Artikel von Anna Fliege – Das Jubeln entwickelt sich nahtlos zu einem euphorischen Schreien, in dem Moment, als Frontsänger Olly in das imposante Bühnenbild schreitet, „Sanctify“ beginnt. Die Show der britischen band ist von Sekunde 1 an atemberaubend, unvergesslich. Glitzernde Outfits und ein Medienfeuerwerk untermalen das Spektakel. Mit „Palo Santo“ haben Years & Years im letzten Sommer ein zweites Album veröffentlicht, dass nicht nur alles in allem sehr ästhetisch ist, sondern auch noch verdammt tanzbar.

Die Setlist ist ein wahres Hitfeuerwerk, die perfekte Mischung aus den neuen Tracks und dem 2015er-Debüt „Communion“. Innerhalb weniger Jahre haben sich Years & Years zu einer der glanzvollsten Bands des Indie-Pop-Kosmos heraufgearbeitet. Aus dem einst schüchternen Olly ist ein selbstbewusster Sänger geworden, der neben Tanzmoves (die ich mir unbedingt abschauen sollte) auch noch jeden noch so hohen Ton trifft.

Manchmal mag man seinen Augen gar nicht trauen, wenn man in Richtung Bühne blickt. Besonders Titelsong „Palo Santo“ ist so ein Erlebnis, wenn Olly am Bühnenhimmel schwebt und majestätisch über allem thront.

Es macht so viel Spaß, Teil dieses Abends zu sein, dass man die die kalte Februarwelt vor der Tür schnellstens ausblendet und hofft, dass das Konzert noch ewig andauert. Lied um Lied wird die Stimmung noch besser, das Glück größer und die Tanzeinlagen des Publikums mutiger. Von der Bühne hagelt es Dankes- und Liebesbekundungen, vom Publikum aus gibt es Textsicherheit und schallenden Applaus.

Irgendwann sieht man auch Alli Neumann im Publikum wild umherspringen, die noch vor wenigen Momenten selbst auf der Bühne stand, um den Abend gebührend zu eröffnen. Die junge Sängerin wird hierzulande als eine der großen Newcomer des Jahres gefeiert. Ihre EP „Hohes Fieber“ ist vielversprechend, ihr Auftritt allemal. Ich mache mir einen gedanklichen Vermerk, mir Alli im Sommer auf jeden Fall noch einmal anzuschauen.

Mit „King“ lassen Years & Years den Abend schließlich ausklingen. Und tatsächlich ist es so ein Konzert, von dem man sich wünscht, es morgen gleich noch einmal erleben zu können. Eins, das man für schlechte Tage konservieren möchte.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Dominik Huttner