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Yukno & „Im Stream der Zeit“: Einschalten lohnt sich

Yukno & „Im Stream der Zeit“: Einschalten lohnt sich

Ein Album über’s Internet. Ehrlich? Schon wieder? Ja, ja. Ich weiß. Tocotronics „Digital Ist Besser“ ist ein jetzt Vierteljahrhundert alt und selbst die Lieblingskünstler*innen meiner Oma haben darüber schon gesungen. Aber ey, gibt Yukno ’ne Chance.

Es fühlt sich gleichermaßen wie gestern und wie ein anderes Leben an, als ich Yukno im kleinen Raum des FZW als Vorband von Razz sah – und direkt wusste: Das lieb ich! Das ist jetzt 2 3/4 Jahre her.

In der Zwischenzeit veröffentlichte das Duo ihr grandioses Debütalbum „Ich kenne kein Weekend„, das dazugehörige ebenso grandiose Remixalbum „Days After Tomorrowland“ und erst zu Beginn diesen Jahres die EP „LAND OF CONFUS1ON„. Seit Freitag gibt es mit „Im Stream der Zeit“ Longplayer Nummer 2.

Obwohl Yukno zwei weiße Dudes in ihren besten Jahren sind und auf Deutsch singen, sind sie nicht die zehnten AnnenMayKantereit oder die xte Band, die verdächtig nach Von Wegen Lisbeth klingt. Nene, das hier ist was Besonderes und, plump gesagt, was ziemlich Geiles.

Sounds, die nach Ferropolis und verschwitzen Klubs im Stroboskop-Licht schreien. Mit Indie-Melodien, die nicht nach eingeschlafenen Füßen klingen. Texte, so frivol und sorgenlos, dass sich der/die durchschnittliche Deutsche vor lauter Prüdheit die Hand vor den zum O geöffneten Mund halten muss. Draufgängerisch sein, das haben die Österreicher einfach besser drauf als wir. Und dabei sind sie so charmant.

Was erwartet unsere On Demand-Gesellschaft auf „Im Stream der Zeit„? Yukno fangen ganz am Anfang an. Erstmal den Stecker rein („Plug Me In„), hochfahren und *ping* begrüßen sie uns herzlich im „Digital Playground„.

Zwischen groovy Gitarren und ballernden Beats tauchen wir ab in die unendlichen Weiten des Yuknoversums. „Lass mir einen Platz frei zwischen deinen Beinen“ bitten sie in „Die Leute wollen etwas von der Liebe Hören„, zuvor stellte man schon freudig fest: „Das Leben ist schön„. Tracks, maßgeschneidert für eskalative Tanzeinlagen. Ausufernde Instrumentalparts, wie wir sie auf „Die menschlichen Ressourcen“ finden, machen die Feiersehnsucht unerträglich.

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Mit Lina Maly („Haut„) und Oehl („Brumm Brumm„) präsentiert uns das Duo zwei Featuregäst*innen, die sich überraschend genial ins Gesamtbild einfügen und die 13 eh schon komplexen Tracks noch einmal ein wenig aufschütteln.

Auf 43 Minuten erschaffen Yukno eine Plattform für ihr melodisches Händchen und für Songwriting, mit dem es kaum ein anderer Act im deutschsprachigen Raum aufnehmen kann. Schillernd-vielfältig, mal hoffnungsvoll fröhlich, mal betäubend basslastig. Das Abonement für „Im Stream der Zeit“ lohnt sich und wird durch seine reichhaltige Auswahl garantiert nie langweilig!

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