YUNGBLUD ist, wie es sein Name vielleicht nahelegen mag, blutjung. Doch statt der Naivität, die Jungendlichen und jungen Erwachsenen nur all zu gerne zugesprochen wird, entledigt sich der 19-Jährige Dominic Harrison diesem Vorurteil mit seinem Debütalbum „21st Century Liability“ ein für alle mal. Ein Album so stark, ehrlich und voller Wut, man könne sagen, der Brite schlage mit der musikalischen Faust ordentlich auf den Tisch.

Musikalisch klingt YUNGBLUD wie der kleine Bruder von Jamie T, der obendrein auch noch irgendwie mit den Jungs von Twenty One Pilots verwandt ist und sich in seiner frühen Jugend von den alten Arctic Monkeys hat leiten lassen. Hier treffen Rap-Parts auf Pop-Elemente, Trap-Beats verschwägern sich mit Indie-Gitarren. Irgendwie ist es Alternative, irgendwie Hip-Hop, irgendwie besonders.

Auf „21st Century Liability“ wird ein Bogen zwischen Gesellschaftskritik, politischer Unzufriedenheit und Dominics persönlicher Lebensgeschichte zwischen ADHS und Ängsten gespannt. So tanzbar und feierwürdig die 12 Songs fast ausnahmslos klingen, so tiefsinnig und bedeutsam sind sie zugleich. Ein Richtungsweiser mit Ohrwurmpotential – YUNGBLUD ist ganz schön clever.

I’m employee of the month at a Ritalin club, yeah, why do you think I’m so messed up?

Ein 19-Jähriger Brite, der Amerikas größter Waffenlobbyorganisation einen Song widmet? Mit „Machine Gun (F*ck the NRA)“ tut er genau das. Politik ist längst nicht mehr die Angelegenheit einer Erwachsenen-Welt, sondern beschäftigt alle Altersgruppen. Generation Z, der man lieber Handysucht und Ziellosigkeit anhängt (was nicht unbedingt komplett falsch ist, „Medication“ handelt genau davon), als sie ernst zu nehmen, rebelliert. Und so rebelliert auch YUNGBLUD, nutzt sein Album als Sprachrohr, äußert seine Bedenken und Empörungen, appeliert nicht nur an die Politiker in ihrem Elfenbeinturm, sondern auch an seine eigene Generation.

Dominics ADHS-Störung spielt eine ebenso große Rolle auf seinem Debütalbum. Das Unverständnis anderer, Ritalin, der tägliche Kampf, die Enttabuisierung – immer wieder findet sich dieses Motiv in den einzelnen Songs wieder, so zum Beispiel in „Anarchist„.

Beeindruckend, abwechslungsreich, wütend, open-minded. „21st Century Liability“ beschreiben sicherlich viele solcher Worte. Statt der rosaroten Brille der jugendlichen Leichtigkeit, adressiert YUNGBLUD lieber reale Probleme. Wer mit einem Debütalbum dieses Kalibers um die Ecke kommt, darf und muss sich in den Köpfen der Leute festsetzen. Die Radiotauglichkeit ermöglicht den Zugang zu einer noch breiteren Masse. Ein Blick über den Tellerrand und in die Köpfe der jungen Generation.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Andrew Whitton