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CHAI & „WINK“: Disko in all seinen Facetten

CHAI & „WINK“: Disko in all seinen Facetten

CHAI bitten uns mit „WINK“ auf die Tanzfläche.

Zum ersten Mal begegnen mir CHAI vor 1 1/2 Jahren in meinem Lieblingsplattenladen in East London. Zugegebenermaßen nicht persönlich, sondern lediglich über die Lautsprecher an der Kaffee- & Bierbar des Ladens, aber meine Euphorie wäre eine ähnliche gewesen, da bin ich mir ziemlich sicher. Die japanische Band, bestehend aus den Mana, Kana, Yuna und Yuuki, spielt nicht nach irgendwelchen Regeln, wenn schon, dann ihren eigenen.

Man kann sich glücklich schätzen, CHAI irgendwo zu begegnen, denn eine Überraschung ist es immer. Damals, bei mir, war es „CHOOSE GO!“ ihres zweiten Albums „PUNK“. Der Albumopener ist, wie der Name es schon andeuten könnte, tatsächlich ziemlich indie-punk-rockig und erweckte deshalb so schnell meine Aufmerksamkeit. Schon damals zeigten CHAI aber, dass nur, weil irgendwas irgendwo drauf steht, auch nur das drin ist. Das wäre ja langweilig.

Ihre abenteuerlichen Überraschungen in Sachen Sound behält sich das coole Frauen-Quartett auf ihrem neuen Album „WINK“ bei und driftet dabei Song für Song in wieder neue Genres und wilden Genremischungen ab. Die wabernden Trance-Bässe in „ACTION“ erinnern an längst vergangene Clubnächte, zündeln an unserem Bedürfnis danach rum.

Opener „Donuts Mind If I Do“ hingegen ist ein verträumt-glitzernder Song, der sich ganz sanft um die Hörenden legt, gute Laune ohne große Auffuhr verbreitet. Wer mit The Prodigy immer nur so halb was anfangen konnte, es aber trotzdem irgendwie ganz geil fand, wird Freude mit „END“ haben. Schwindelerregend schnell dreht sich der Sound um sich selbst.

Es ist das erste Album mit einer Hand voll Features, die dem eklektischen Sound der Band nur noch mehr zu Gute kommt. So flowt der junge Hip-Hop-Künstler Ric Owen aus Chicago („Maybe Chocolate Chips“). Die japanische Chiptune-Band YMCK bringt ihren eigenen elektronischen Sound mit („PING PONG!“). Und Mndsgn, der bereits mit Tyler, The Creator zusammenarbeite, bringt mit seiner jazzigen Hip-Hop-Stimme weitere Layer mit („IN PINK“).

CHAI bedienen sich an allem, was ihnen gefällt, ohne dabei drauf zu achten, ob man „das jetzt so macht“. Die machen’s einfach – und das ist ziemlich nice. Nach „PINK“ und „PUNK“, ist „WINK“ ein weiterer Gewinn in jeder Plattensammlung, schwebend zwischen dunklen Beats und fröhlicher funk-jazz-hip hop-rock-indie-Fusion, quasi Disko in all seinen Facetten. Eine bunte Tüte mit Zufriedenheitsgarantie, die den Zeitgeist-Nagel auf den Kopf treffen.

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Jetzt, wo Bands aus dem asiatischen Raum immer attraktiver für die breiten westlichen Massen wird, sind CHAI diejenigen, die ich jedem ans Herz legen möchte. Vier unerschrockene Frauen, die ihr Ding machen und dabei auch noch ihren Spaß mit uns teilen. Spätestens, wenn man „Nobody Knows We Are Fun“ hört, weiß man ganz genau, wie viel Freude CHAI mit sich bringen.

Meine Review möchte ich mit dem schönsten Funfact beenden, den ich beim Hören & Studieren des Albums gelernt habe: „Nach dem „i“ von PINK und dem „u“ von PUNK, mit dem sich die Band erst vorstellte und dann ihr Publikum zentrierte, schließt sich mit dem „we“ von WINK der Kreis. Es signalisiert die Beziehung von CHAI zur Außenwelt, eine Umarmung von tiefem Zusammengehörigkeitsgefühl.“ Man muss sie lieben, oder? Man muss es einfach tun!

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