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Das virtuelle Releasekonzert von Giant Rooks: Ein Stückchen Normalität

Das virtuelle Releasekonzert von Giant Rooks: Ein Stückchen Normalität

Großveranstaltungen bleiben vorerst bis zum Jahresende verboten. Und nun? Tja, Giant Rooks sind schon immer gerne gegen Strom geschwommen. Zur Feier ihres Debütalbums „ROOKERY“ spielten sie gestern im Berliner Tempodrom. Und läuteten das neue Zeitalter der hybriden Konzerterlebnisse ein.

Freitagabend. Ich liege in meinem Bett. Im Bett liegen und Konzerte im Livestream gucken kannte ich vor Corona nur, wenn der Wecker in den frühsten Morgenstunden für einen Coachella-Auftritt einer Lieblingsband klingelte. 

Im Sommer 2019 hatte ich das große Glück, Giant Rooks innerhalb eines Monats gleich drei Mal an den unterschiedlichsten Schauplätzen der deutschen Festivallandschaft zu erleben. Während manche beim Zuhören meiner euphorischen Erzählungen mit „...schon wieder?“ antworten, war meine Begeisterung für die aufstrebende Band aus der Nähe meiner eigenen Heimat nicht zu bremsen. Eine Band, die sich bei jedem Auftritt selbst übertrumpfte und ein Gefühl in mir auslöste, wie ich es nach unzähligen Konzerten nur noch selten verspürte. 

Mein Kalender für 2020 sah ähnliche Pläne vor, Tourdates und Festivalbestätigungen steigerten die Vorfreude – doch dann, ja, ihr wisst schon.

Die Szene reagierte schnell, spontane Instagram Live-Wohnzimmer-Konzerte und ausgeklügeltere digitale Festivals wurden organisiert. Ein schöner Zeitvertreib im Lockdown, doch irgendwann war selbst der größte Fan übersättigt. Auch Autokonzerte brachten in mir die Leidenschaft nicht zurück (vielleicht, weil ich selbst kein Auto besitze).

Doch das Releasekonzert zum Giant Rooks-Debüt „ROOKERY“ versprach, anders zu werden. Glückskinder ergatterten sogar Karten für das echte Live-Erlebnis vor Ort im Berliner Tempodrom. 

Ich bin online dabei. Bin gespannt. Vermisse irgendwie das schale Bier aus umweltunfreundlichen Plastikbechern, finde es aber verlockend, mir beim Warten auf den Konzertbeginn nicht die Beine in den Bauch stehen zu müssen. Auch die Schlange vorm Klo ist verschwindend gering. 

Doch was macht dieses Konzert jetzt mal ernsthaft so besonders?

Z|ART.tv aus Berlin möchte Konzerte wieder erlebbarer machen. Mittendrin statt nur dabei, aber natürlich Corona-konform. Ermöglicht wird das durch zwei wichtige Faktoren: Interaktivität und der AR-Technologie. Wie echte Konzerte exklusiv und einmalig.

Fans haben die Möglichkeit, durch Chats und Video-Calls miteinander zu kommunizieren. So können sie sich nicht nur vor der Bühne treffen, sondern sich auch an der Bar mit Besuchern aus der ganzen Welt austauschen.

Auf Konzerte geht man natürlich auch gerne mit seinen Freunden, weshalb wir das „Watchgroup“-Ticket anbieten, mit welchem die Fans mit bis zu vier Freunden gleichzeitig auf das Konzert gehen können.Das besondere dabei ist ein privater Raum, in dem sie sich immer wieder sammeln und in den Konzertraum gehen können.

Durch die Möglichkeit von Augmented Reality können zudem Bühnenbilder und weitere visuelle Highlights beliebig ausgebaut und zum Leben erweckt werden. Dadurch stehen die Künstler*innen nicht in einer leeren Halle, sondern in einer ganz neuen Welt, in die auch die Fans entführt werden. Zudem wird es verschiedene Kameraperspektiven und Live Bildschnitte geben, Momentan sind wir gerade dabei, eine App zu entwickeln, die noch einige Funktionen haben wird, die das Erlebnis noch realer werden lässt.

Die verschiedenen Kameraperspektiven, dynamischen Bildschnitte, erweiterten Bühnenbilder durch Augmented Reality und diversen Fan-To-Fan sowie Artist-To-Fan Kommunikationsmöglichkeiten heben digitale Konzerte auf ein neues Level. Am 28.08. findet über die Plattform das exklusive Record-Release-Konzert zum Debütalbum der Giant Rooks statt.

Wie es sich für ein richtiges Live-Konzert gehört, fängt es natürlich nicht um Punkt 21 Uhr an. Bei all den überpünktlichen, vorgeplanten, vorproduzierten Performances bin ich das gar nicht mehr gewohnt und weiß es plötzlich sehr zu schätzen – immerhin muss ich ja heute auch nicht den letzten Zug nach Hause kriegen.

Man hört das undeutliche Gemurmel der Fans vor Ort, das sich mit der Pre-Gig-Playlist vermischt, immer wieder hört man ein unbeschwertes Lachen heraus. Per Augmented Reality schwebt über dem fast komplett dunklen Konzertsaal ein großes GIANT ROOKS-Schriftzug samt Sternenhimmel.

Die erste Kameraperspektive fühlt sich an, als stände man in der ersten Reihe. Giant Rooks eröffnen ihr Set mit dem Albumopener „Birth of Worlds„. Die Freude in den Gesichtern der fünf Bandmitglieder springt direkt auf mich als Zuschauerin über und verdammt, hab ich das vermisst.

Bei „Heat Up“ muss ich laut mitsingen (sorry, Nachbarn!) und auch bei den älteren Hits wie „Bright Lies“ und „100mg“ fällt es mir schwer, ruhig zu bleiben. Mittlerweile habe ich das Bett verlassen und tanze durch die Wohnung.

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Dass die Situation für alle eine ganz Neue ist, merkt man an den Ansprachen von Sänger Fred, der das aber so sympathisch und inklusiv macht, dass einem das Herz aufgeht. Irgendwann bekommt man sogar mal einen Blick auf das Vor Ort-Publikum. Ein kleines bisschen Neid macht sich schon breit, aber ich freue mich vor allem für die Band, dass sie nicht vor einer leeren Halle spielen müssen. Ein Stückchen Normalität kehrt ein.

Die neuen Songs von „ROOKERY“ klingen live fast noch ein bisschen besser, steigern die Sehnsucht nach einem Giant Rooks-Konzert ins Unermessliche. Und als kurz vor Ende mein allerliebster Lieblingssong „King Thinking“ gespielt wird, kickt die Konzertsehnsucht noch mal so richtig.

Mit „Watershed„, DEM Radiohit des Jahres (liebe Grüße an 1Live), kommt es zum großen Finale. Imposant wie eh und je. Mit einer kleinen Akustikzugabe, Fred steht mittlerweile alleine auf der Bühne, verabschieden sich Giant Rooks. „Bis bald“ heißt es.

Fazit

Natürlich kann ein virtuelles Konzerterlebnis keinen realen Gig ersetzen. Hier zieht Tocotronics „Digital ist besser“ ausnahmsweise mal nicht. Wer mit solchen Ansprüchen in einen Abend geht, darf sich nicht beschweren. Und doch, trotz all der Zweifel haben es Z|ART.tv und Giant Rooks geschafft, dem Konzert auf meinem kleinen Laptop-Bildschirm einen Mehrwert zu geben. Augmented Reality bringt Dynamik rein, beweist die Liebe zum Detail, ist ein tolles visuelles Add-On. Die unterschiedlichen Kameraperspektiven machen es erlebbarer.

Ein Top-Sound und keinen 2 Meter-Menschen, der sich natürlich direkt vor einem hinstellen muss, tun ihr Übriges. Das Publikum vor Ort hat nicht nur Spaß und gibt der Band eine gewisse Sicherheit, sondern tragen etwas sehr Essenzielles bei, das in den letzten Monaten oft abhandengekommen ist: Applaus.

Man darf gespannt bleiben, was in der nächsten Zeit aus der Ideenschmiede kommt und welche Konzerte wir vom heimischen Sofa aus besuchen dürfen.

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